Abschlussaufgabe (zu erledigen bis 13.02. 8.00 Uhr)

Hervorgehoben

Liebe SeminarteilgeberInnen,
zum Abschluss des Semesters bitte ich jede Gruppe folgende Aufgabe zu erledigen:
Schreiben Sie einen Blogeintrag der in strukturierter Art und Weise folgende Aspekte beinhaltet:

  • Textauswahl und Begründung
  • Themenwahl und didaktische Begründung
  • zu erlangende Kompetenzen
  • exegetische Grundlage für eine didaktisch reflektierte Umsetzung
  • Anforderungssituation
  • Thematische Zielsetzung
  • Umsetzung (knapp)

Abschlussbeitrag

Zu Beginn des Semesters stellten wir uns die Frage mit welchem Text wir im Laufe des Seminars arbeiten wollen. Diese Frage ließ sich bei uns nicht so einfach beantworten, da wir von Anfang an einen Text wählen wollten, mit dem wir selber nicht auch schon in unserer Schullaufbahn gearbeitet hatten. Wir entschieden uns also gegen ein bekanntes Gleichnis oder Ähnliches und wählten den Text des Opfers der Witwe nach Mk 12, 41-44. Diese Passage besticht nicht durch ihre Länge und ist auch von ihrem Inhalt eher untypisch für Unterricht, da die Aussage vielleicht nicht direkt verständlich ist und auch eher kontrovers klingt. Trotz dieser Ausgangslage wollten wir uns der Herausforderung stellen und haben uns näher mit dem Text befasst.  Der Text bietet mehrere Thematiken über die man in der Schule sprechen kann wie zum Beispiel Opferbereitschaft, Vertrauen auf Gott, Schere zwischen arm und reich und auch generell über den Umgang mit Geld. Wir haben uns dazu entschieden, über Vertrauen auf Gott/ Vertrauen generell, Opferbereitschaft und über das Wort „opfern“ zu sprechen, da das heute nicht wirklich ein Wort ist, mit dem Kinder etwas anfangen können.

In der Perikope wird beschrieben, wie Jesus beobachtet, wie eine Witwe zwei kleine Münzen in den Opferstock im Tempel wirft. Zuvor haben andere Männer viel mehr Geld gespendet. Jesus ruft seine Jünger zu sich und belehrt sie ein letztes Mal mit den Worten: „Amen, aber ich sage euch…“ (V.43) und spricht darüber, dass diese Witwe viel mehr gegeben hat, als alle anderen vor ihr. Denn sie hatte  nichts und hat das, was sie noch hatte ins Reich Gottes investiert.  Damit endet die Perikope und Jesus spricht wieder über andere Dinge.  Die Perikope ist an einer eher ungewöhnlichen Stelle zu finden. Sie ist eingebettet zwischen  Jesu Ankündigung über das Gericht über das Tempeljudentum (Kap. 11), welches er in Kap. 12 immer wieder bestätigt und seiner Abschiedsrede. Damit erscheint die Erzählung irgendwie fehl am Platz oder aus dem Kontext herausgerissen. Trotzdem hat sie ihre Berechtigung und ist die letzte Belehrung Jesu seiner Jünger bevor er stirbt.

Bei der Exegese haben wir uns für die X-Methode entschieden da wir uns die Mehrdeutigkeit der Wörter anschauen wollten und wir denken, dass hinter den Wörtern mehr steckt, als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten würde. Da die Perikope nicht sehr lang ist und nur vier Verse umfasst, haben wir uns nur für 2 Wörter entschieden.

In Vers 41 haben wir uns für das Wort „Geld“ entschieden:

Und er setzte sich gegenüber dem Schatzbehälter und schaute zu, wie die Menschenmenge X in den Schatzbehälter wirft. Und viele Reiche warfen viel hinein.

Indem man Geld durch das X ersetzt kann man auch direkt vermuten, dass das X für eine unbestimmte oder undefinierte Summe Geld steht. Geld ist essenziell in dieser Perikope und der Ausschlag gebende Gegenstand. In diesem Vers scheint die Summe an Geld aber auf jeden Fall bekannt zu sein, da man feststellt, dass viele Reiche auch viel Geld hineinwarfen. Das ist ein indirektes Lob an die reiche Bevölkerung, die sonst in der Bibel ja meist eher kritisiert wird. Sie geben viel in den Schatzbehälter, der den Brandopfern Gottes zu Gute kommt (vgl. Wuppertaler Studienbibel. Das Evangelium nach Markus erklärt von Adolf Pohl. R. Brockhaus Verlag. Wuppertal. 2005. S.454). Der Akt des Spendens scheint zum Teil aber auch Statussymbol zu sein, da die Summen hier öffentlich bekannt gegeben werden (Lichtenberger, Herrmann. EWNT III. S.538).

In den Versen 42-23 haben wir uns für das Wort „Witwe“ entschieden.

42 Und es kam eine arme X und warf zwei Lepta hinein, das ist ein Quadrans.

43 Und er rief seine Jünger zu herbei und sagte ihnen: „ Amen, ich sage euch: Diese X da, die arme, mehr hat sie als alle eingeworfen, die in den Schatzbehälter einwarfen.

Auffällig hier ist, dass das Wort „Witwe“ immer in direkter Verbindung mit dem Wort „arm“ steht.  Eine Witwe scheint also das ultimative Symbol für Armut zu sein. Lepton ist die kleinste Münzeinheit der Juden, was bedeutet, dass sie rein vom Wert nicht sehr viel in den Schatzbehälter geworfen hat und trotzdem sagt Jesus hier in diesem Vers, dass sie mehr eingeworfen hat, als alle anderen.  Witwen sind seit je her eine Randgruppe der Bevölkerung und haben eigentlich kaum Überlebenschancen, da der Mann für die Versorgung der Familie zuständig ist. Auch schon im alten Testament hat JHWE eine besondere Beziehung zu den Witwen und wird als „Helfer der Witwen“ (Ps 149,6) beschrieben. Die Platzierung der Erzählung spricht dafür, die Witwe als Bild für die Gemeinde Jesu Christi zu sehen, die in den neuen Bund geführt wird. Die Witwe gibt alles auf und gibt alles was sie hat an Gott zurück. Jesus kündigt das Gericht über den Juden an und weist auf seinen eigenen Tod hin. Auch er wird alles an Gott zurückgeben was er hat- sein Leben.  Somit kann die Witwe aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden. Interessant ist auch, dass Jesus diese unscheinbare Frau wählt um die Jünger zu belehren. Sie wäre wahrscheinlich so niemandem aufgefallen. Sie ist aber auch ein Beispiel dafür, dass Gott das Herz der Menschen ansieht und nicht ihr Äußeres. Es ist scheinbar nicht wichtig für ihn, wie hoch der Betrag der Spende ist, sondern mehr, was dahinter steht.

Auf Grund der Komplexität dieser vier Verse haben wir uns dazu entschieden mit diesem Text erst in der vierten Klasse zu arbeiten, denn besonders Vers 43 zeigt ein Paradoxon und  fordert eine Erklärung, die Jesus selber nicht direkt gibt. Deshalb brauchen die SuS schon genug Grundlagen mit Textem umzugehen und auch nötige Sozialkompetenzen um sich mit dem Thema tiefer zu befassen. Dieser Text bietet die Grundlage um die SuS mit dem Verhältnis Mensch/Gott vertraut zu machen und zu erklären, was Vertrauen auf Gott bedeutet. Die Witwe war sich im Klaren darüber, was sie tat und vertraute vollkommen auf Gott, dass er sie versorgen würde. Jemandem vertrauen bedeutet normalerweise ihn zu kennen.  Wir würden mit den SuS darüber reden, was Vertrauen für sie bedeutet und wem sie in ihrem Leben vertrauen können. Des Weiteren wollen wir auf den Opferaspekt eingehen und mit ihnen darüber reden, was es bedeutet etwas aufzugeben, was einem wichtig ist. Lebensnahe Beispiele liefern hier die Basis für ein gutes und konstruktives Unterrichtsgespräch. Man könnte auch mit den Kindern irgendeine karitative Einrichtung besuchen um zu verstehen, was Armut bedeutet oder auch, wo man Menschen helfen kann.

Unsere Idee für den Unterricht war es, den Text gemeinsam mit den SuS zu lesen. Textarbeit ist hier möglich auf Grund der Kürze der Passage. Da es diese Geschichte in kaum einer Kinderbibel zu finden gibt, haben wir uns für eine „kinderfreundlichere“ Bibel wie die Gute Nachricht oder Hoffnung Für Alle entschieden. Nachdem wir den Text gelesen haben, sollen die Kinder ein Bild mit einer der drei verschiedenen Szenen malen (Reiche spenden, Witwe spendet, Jünger kommen zusammen). So kann man die Geschichte in drei Teile gliedern und dann danach in einem Sitzkreis  darüber sprechen. Hier kann man auch erklären, warum die Witwe arm ist und was der paradoxe Ausspruch in Vers 43 bedeutet.

Abschließend lässt sich sagen, dass wir dieses Semester viel gelernt haben. Besonders die Schwierigkeit der Textauswahl hat uns neu vor Augen geführt, was für Herausforderungen auch als Grundschullehrer auf uns warten aber auch wie man damit umgehen kann. Wir sind uns jetzt sicher, dass man Kindern viel mehr zutrauen kann, als wir vorher dachten und das sicher fast jeder Text richtig aufbereitet auch in der Grundschule ein-und umsetzbar ist.

 

„Mensch sein – Mensch werden“ anhand der Ehebrecherin – Abschlussbericht

Text

Johannes 7, 53 – 8, 11 (Elberfelder Bibel) Jesus und die Ehebrecherin

7:53 Und jeder ging in sein Haus. 8:1 Jesus aber ging nach dem Ölberg. 2 Frühmorgens aber kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich und lehrte sie. 3 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte 4 und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. 5 In dem Gesetz aber hat uns Mose geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du? 6 Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. 8 Und wieder bückte er sich nieder und schrieb auf die Erde. 9 Als sie aber dies hörten, gingen sie, einer nach dem anderen, hinaus, angefangen von den Älteren; und er wurde allein gelassen mit der Frau, die in der Mitte stand. 10 Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? 11 Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!

 

Textauswahl und Begründung

Die Unterrichtsplanung ist für eine neunte Realschulklasse ausgelegt. Unsere Gruppe hat sich für eine Stelle des Johannesevangeliums, die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin (Johannes 7,53 – 8,11), entschieden. Dieses Thema könnte bei den Schülerinnen und Schülern (fortan SuS abgekürzt) auf persönliches Interesse stoßen, da Trennungen und Scheidungen bzw. Ehebruch in vielen Familien vorkommt. Außerdem machen die SuS in der neunten Jahrgangsstufe erste Formen von Beziehungen und Trennungen durch. Zudem spielen die Aspekte von Sexualität, Eifersucht und Treue eine zunehmende Bedeutung für die durchschnittlich 15 jährigen SuS.

Aufbauend auf die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin können eine Vielzahl an Themen im Unterricht behandelt werden. Dazu zählen die Themen: Treue in Beziehungen, Vergebung, die Rolle der Frau in der Ehe damals und heute, sündigen als Teil des Mensch sein.

 

Themenauswahl und didaktische Begründung

Die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin passt zum einen in das übergeordnete Themenfeld „Mensch sein – Mensch werden“ und kann auch in die Lerneinheit des Lehrplans für die neunte Jahrgangsstufe der Realschule eingebettet werden. Diese Einheit umfasst 12 Unterrichtsstunden und beinhaltet das übergeordnete Thema „Individuelle Erfahrungen“ mit den Unterpunkten „Liebe, Partnerschaft, Sexualität“. Verbindliche Unterrichtsinhalte in diesem Bereich sind nach Angaben des hessischen Kultusministeriums:

  • Reden von der Liebe (Einstieg in das Thema; Vorwissen für Jesus und die Ehebrecherin)
  • Auseinandersetzungen in der Liebe
  • Probleme ansprechen
  • Lieben will gelernt sein
  • Eine Liebe ein Leben lang?
  • Treue, Eifersucht, Trennung
  • Orientierung für die Liebe
  • Lust in der Liebe
  • Missbrauch der Liebe

Die Bibelstelle sollte mit den Schülern vor dem Kontext ihrer eigenen Erfahrungen diskutiert werden (wobei Fremdgehen sich in diesem Alter eher auf Fremdküssen bezieht und ev. sekundäre Erfahrungen durch Eltern und Filme/TV eine Rolle spielen). Allerdings sollten Erfahrungen mit Scheidungen in der eigenen Familie nur diskutiert werden, wenn ein Schüler dies von sich aus vorschlägt. Mit einem gesamten Zeitumfang von 12 Unterrichtsstunden für das Thema kann die ausgesuchte Bibelstelle ausführlich und über mehrere Wochen als Leitfaden für die Unterrichtseinheit dienen.

 

Zu erlangende Kompetenzen

  • Bibelkundliches Wissen
  • Entwicklung von Toleranz: Suchen eines offenen Dialogs
  • Exkurs: Treue in Paarbeziehungen;
  • Exkurs: Gnade den Menschen, die einen Fehler gemacht haben
  • Fachkompetenzen: Kommunizieren und Bewerten
  • Fähigkeit zur Empathie
  • Fähigkeit zum Vergeben
  • Identitätsfindung im gesellschaftlich-religiösen Kontext
  • Umgang mit moralischen Ansätze die zur Diskussion geeignet sind

 

Exegetische Grundlage für die didaktisch relfektierte Umsetung

Wir haben innerhalb unser Gruppe die kritisch-semiotische Exegese gewählt, da eine historisch-kritische Exegese einerseits nicht den Spielraum bieten würde um unsere Bibelstelle in das Thema „Mensch sein – Mensch werden“ einzuordenen und andererseits nicht die Möglichkeit eröffnen würde, dass die SuS diese Textstelle auf sich selbst und die eigene Lage anweden. Außerdem setzt die historisch-kritische Exegese Kenntnisse der origininalen Texte oder ihrer Sprache in Latein und Hebräisch vorraus, welche unsere SuS in einer neunten Realschulklasse nicht besitzen würden. Für uns und das Überthema ist es hierbei wichtiger, den Text der Bibelstelle in sich zu verstehen und ihn damit übertragen zu können.
Die semiotisch-kritische Exegese besteht allerdings aus mehr Bestandteilen als wir mit den SuS einer neunten Realschulklasse durchführen würden.Im Anhang befinden sich die Textpartitur und die Motifemanalyse. Desweiteren würde man sich nun mit der semantischen Analyse befassen, welche unseren SuS nicht möglich wäre. Auch die Text-Partitur und Motifem-Analyse ergibt für diese spezielle Bibelstelle keine Ergebnisse, welche für die SuS von Bedeutung sein könnten.
Wir haben uns in unserer Gruppe darauf geeinigt, dass wir die Themen „Liebe“, „Treue“ und „Ehebruch“ zuvor behandeln würden (unter Hinzuziehen des „Bibellexikons“). Diese Herangehensweise an die Themen verhindert eine semantische Analyse von vornherein, eröffnet aber einen erweiterten Zugang zur Bibelstelle und den jeweiligen Themen im Bezug auf das Übertheme „Mensch sein – Mensch werden“.  Uns ist wichtig und auch völlig klar, dass wir ein einerseits für die SuS interessantes Thema gewählt haben. Es andererseits aber auch gefährlich sein kann, da heutzutage viele Eltern der Kinder getrennt leben und das Thema Untreue so aktuell ist wie noch nie. Natürlich wollen wir nicht über private Umstände der Eltern und Kinder urteilen. Dennoch halten wir es für wichtig, sich auch mit solch einer sensiblen Thematik im Unterricht auseinander zusetzen. Der Religionsunterricht bietet dafür unserer Meinung nach mehr Möglichkeiten als zum Beispiel die Sexualerziehung des Biologieunterrichts. Der Religionsunterricht ist nicht nur dafür gedacht, bibelkundliches Wissen zu erlangen, sondern vielmehr dazu geeignet moralische Fragestellungen zu behandeln, sodass die SuS in ihrem eigenen Leben reflektiert und professionell handeln können. Wenn man die SuS erreicht, bewahrt man diese vielleicht vor Entscheidungen, die sie bereuen würden oder womoglich andere Menschen seelisch verletzen würden.

 

Thematische Zielsetzung

Da es für die Schüler einer neunten Realschulklasse zu schwierig wäre eine komplette Exegese selbstständig durchzuführen, werden beide Formen der Exegese den Schülern in der Theorie und für sie verständlich vorgestellt. Damit die Schüler aber auch die Möglichkeit bekommen, sich intensiver mit der Bibelstelle und deren Bedeutung zu beschäftigen, sollen sie im Bibellexikon drei Begriffe nachschlagen. Dabei handelt es sich um die Begriffe: Ehebruch, Unzucht und Treue.* Die Begriffe werden dabei im historisch-biblischen Kontext erklärt und die Schüler können besser verstehen, was man unter Ehebruch in der damaligen Zeit verstand und welche Konsequenzen dieser mit sich brachte. Desweiteren können sie den „Eherbruch“ des historischen Kontexts mit dem „Eherbruch“ heute vergleichen.
Ein vorrangiges Ziel der Unterrichtseinheit sollte sein, dass die Schüler am Ende der Stunde den Verlauf der Geschichte kennen und verstehen warum Jesus die Frau vor den anderen Männern schützt. Es sollte auf jeden Fall erarbeitet werden, dass Jesu Botschaft die ist, dass einem Menschen Fehler verziehen werden und Jesus vor allem für die Schwachen da ist.
Auf diese Fähigkeiten zielen auch unsere erarbeitetete Umsetzung (Aufgaben und Herausforderungen für die Schüler) ab.

 

Umsetzung

Wir haben uns innerhalb unserer Gruppe darauf geeinigt, eine Unterrichtseinheit von ca 12 Stunden, sprich 6 Doppelstunden zur Bibelstelle „Die Ehebrecherin“ (Johannes 7,53 – 8,11) unter dem Überthema „Mensch sein – Mensch werden“ durchzuführen. Nach einer thematischen Einführung zu „Treue“ und „Ehebruch“ allgemein im Bezug auf eigene Erfahrungen und das Bibellexikon* würden wir die Bibelstelle zu Beginn auf der intratextuellen Ebene analysieren wollen. Dazu sollten die Schüler den Text lesen und in Gruppenarbeit als Standbilder darstellen. Vorerst müsste die Textstelle in sinnvoll viele Abschnitte unterteilt werden um diese als Standbilder darzustellen. Das Erfinden und umsetzen von Standbildern bietet die Möglichkeit, mit den einzelnen Gruppen  intensiv am Inhalt der Textstelle zu arbeiten und die Kompetenz zu schulen, diese in sinnvolle Abschnitte unterteilen zu können.Desweiteren könnte man Charakterisierungen der einzelnen Figuren (Jesus, die Ehebrecherin, die Pharisäer) anfertigen lassen.
Im nächsten Schritt würde die Textstelle der Ehebrecherin im Kontext der Bibel betrachtet werden. Hierbei ist vor allem das Handeln Jesu exemplarisch heraus zuarbeiten. In diesem Kontext könnten andere Bibelstellen mit ähnlichen Botschaften („Irren ist Menschlich“, “ Vergib dir selbst und Gott vergibt dir“, „Ein guter Christ ist nicht unfehlbar, aber er sieht und bereut seine Sünden“) angeführt werdem.
Im finalen Umgang mit der Textstelle wären die Schüler gefragt, diese auf sich selbst und ihr eigenes Leben anzuwenden. Dabei würde einerseits (hoffentlich) auffallen, dass diese Bibelstelle immernoch aktuell und übertragbar ist, andererseits würde die persönliche Parallele gezogen würden, dass eben „Fehler menschlich sind“ und selbst in der Bibel gezeigt wird, dass kein Mensch (Pharisäer) ohne Sünde (ohne Fehler) ist (leben kann).
* Bibliographische Angabe: Haag, Herbert (Hrsg.) et al. (1956). Bibel-Lexikon. Benzinger Verlag: Einsiedeln. S. 360, 1662, 1684.

 

 

Vielen Dank für die Ermöglichung so eine ausführliche Unterrichtsgestaltung im Rahmen der Universität vorzunehmen. Dieses Seminar hat uns große Freude bereitet!

Abschlussblog L3

Textauswahl und Begründung
Mensch werden – Mensch sein? Diesem Thema wollen wir uns stellen und dazu einen Unterrichtsentwurf gestalten.
Wir begannen die Themafindung mit der Suche nach Menschen, die im Neuen Testament eine herausragende Rolle einnehmen. Aus dem Kreise der Jünger Jesu sind uns dabei Judas und Petrus ins Auge gefallen. Beide agieren in unmittelbarer Umgebung Jesu und stellen bis heute die in der Öffentlichkeit wohl bekanntesten Jünger dar. Gerade wegen dieser auch von der Populärkultur geprägten Bekanntheit der beiden Figuren schien es uns besonders sinnvoll, die Rolle der beiden Menschen Judas und Petrus im Religionsunterricht auf der Basis exegetischer Überlegungen zu thematisieren.
Von herausragender Bedeutung mag für beide Figuren ihr Handeln im Rahmen der Gefangennahme Jesu erscheinen. Während der „Verräter“ Judas sich schließlich erhängt, wird der Verleugner Petrus zu einem Gründervater der christlichen Kirche.
Matthäus 26, 14-16 (Judas):
Für Judas erschien uns die Darstellung im Matthäusevangelium am vielversprechendsten.
Die Bibelstelle ist sehr klassisch. Anhand dieser Stelle  lässt sich die Frage anbringen, inwieweit das Handeln des Judas als  menschliches Handlen verstanden werden kann und welche Gründe es dafür geben könnte. (Verlockung des Geldes?)
Textanalytisch  ist es da auch wichtig, die Handlung Jesu zu hinterfragen. Theologisch sehr spannend: Musste Judas Jesus verraten, um die Passionsgeschichte  und die Heilsgeschichte voranzubringen? Ist es überhaupt  angemessen, Judas angesichts des griechische Worts παραδίδωμι  („übergeben“) im Deutschen einen „Verräter“ zu nennen?
Ergänzt werden kann die Textauswahl um die Schilderung des Endes des Judas. (Mt 27,3-10)
Markus 14,66-72 (Petrus)
Wir haben uns bei der Schilderung des Verhaltens Petri für das Markusevangelium entschieden. Besonders  die Bibelstelle um die Verleugnung Petrus‘ kann Handlungsmotive und  ihre Offenlegung darstellen. Spannend hier: es wird offensichtlich,  dass  Petrus seine Handlung bereut und umso interessanter, dass er  Jesus  trotzdem verrät. Zudem berichtet ausschließlich das letzte Kapitel des Markusevangeliums von einer „Versöhung“ zwischen Gott und Petrus durch die Botschaft des Engels, worauf wir zudem Bezug werden nehmen.
Themenwahl und didaktische Begründung
Wir haben die Textstellen im Kontext unseres Oberthemas „Mensch sein“ ausgewählt, um an den beiden Figuren Petrus und Judas menschliches Verhalten, menschliche  Handlungsmotive, sowie menschliche Schwächen untersuchen zu können. Wir haben in beiden Bibelstellen eine gute  Möglichkeit gesehen, sie auf die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler zu übertragen und anhand der Geschichten Aspekte zum Thema „Mensch sein“ zu erarbeiten, mit  welchen sich Schülerinnen und Schüler identifizieren können. (Erfahrungen mit  Entäuschungen und gebrochenem Vertrauen innerhalb Freundschaften haben Schüler vielleicht bereits selbst gemacht und können so aus der Sicht  Judas’/Petri Stellung nehmen.)
Schülerinnen und Schüler  können an den beiden Bibelstellen menschliches Handeln analysieren und  versuchen es in der Situation zu verstehen. Es kann ein besonderes  Augenmerk auf die „Schwächen“ des menschlichen Handelns und die Gründe  hierfür gelegt werden.
Darüber hinaus soll der Blick für die Arbeit mit der Bibel geschärft werden. Bei allen Vorstellungen (bzw. Nicht-Vorstellungen) die Schülerinnen und Schüler von Judas und Petrus mitbringen, gilt es herauszuarbeiten, ob bzw. in welcher Weise diese mit den Bibeltexte übereinstimmen.
Mit Blick auf den Lehrplan lässt sich das Thema in die Klassenstufe 8G.2 einordnen, da hier das Thema  „Scheitern, Schuld und Vergebung“ vorgeschlagen wird.
Für  die 8. Klasse ist die Zeit der Veränderung und der Erfahrung damit,  Fehler zu machen in ihrer Lebenswelt vorhanden. Aus diesem Grund macht  es Sinn, die Geschichten um Petrus und Judas und ihren „Fehlern“ mit dieser Klassenstufe zu behandeln.
Zu erlangende Kompetenzen
Das Thema „Mensch“ gerade an den beiden tragischen „Helden“ Judas und Petrus hat das Potenzial viele der Kpmpetenzen des Lehrplanes abzudecken.
Zuallererst sei hier die Personale Kompetenz genannt: Durch Reflektieren des Stoffes und starkes Auseinandersetzen mit den beiden Protagonisten der Unterrichtseinheit soll die Selbstwahrnehmung der Schülerinnen und Schüler verändert werden. Indem sie die „Fehler“ des Judas und Petrus erkennen und auch den Lösungsvorschlag des Petrus (aus schlechtem Gewissen versuchen sich wieder reinzuwaschen) untersuchen, soll ihre Selbstwahrnehmung in Frage gestellt werden und damit auch ihr Selbstkonzept. die zentrale Frage hierfür ist, was hätte ich an dieser Stelle getan.
In der Diskussion über das Thema können die Schülerinnen und Schüler auch ihre eigenen Erfahrungen einbringen, wodurch eventuell auch aktuelle Spannungen innerhalb der Klasse besprochen werden können. Das Potenzial die Sozialkompetenz zu stärken ist also auch gegeben. Da auch anhand der aktuellen Themen die Rücksichtnahme und Solidarität der Schülerinnen und Schüler gefördert wird. Aber auch, wenn es nicht zu einer Diskussion über aktuelle Themen kommt, werden diese Kompetenzen dennoch anhand der Bibeltexte angerissen.
Mithilfe von Bildern oder Medien kann man auch die Lern- und Sprachkompetenzen der Schülerinnen und Schüler fördern. Anhand einer Bildbeschreibung fördert man ihre Artikulation, aber auch ihre Problemlösekompetenz.
Exegetische Grundlage für eine didaktisch reflektierte Umsetzung
Exegetische Überlegungen zu Judas
Um uns exegetisch in der Textauswahl zu orientieren, haben wir uns entschlossen uns an Stefan Alkiers semiotisch-kritischer Exegese anzulehnen. Zur besseren Übersicht des syntaktischen Aufbaus von Mt 26, 14-16 dient die angehängte Textpartitur (Textpartitur Judas) . Einige Dinge sind auffällig:
Zwar handelt Judas aktiv und spricht in wörtlicher Rede mit den Hohenpriestern, doch wird er zunächst als „einer von den Zwölfen“ eingeführt. Es scheint also an dieser Stelle zunächst einmal betont zu werden, dass es eben einer der Jünger ist, der zu den Hohenpriestern geht, dass dieser Jünger den Namen Judas trägt, scheint zunächst einmal sekundär zu sein.
Jesus selbst wird überhaupt nicht genannt und tritt als Personalpronomen und als untergeordneter Funktor auf. Dennoch scheint klar zu sein, um wen es an dieser Stelle geht.
An dieser Stelle sei auch noch einmal auf die Verwendung des Verbes δίδωμι eingegangen. Hier liefern unterschiedliche deutsche Übersetzungen unterschiedliche Bedeutungspotentiale. Es lässt sich fragen, ob die Rolle von jemandem, der „ausgeliefert“ wird, gleichzusetzen ist mit der Rolle von jemandem, der „übergeben“ wird, ob nicht der „Ausgelieferte“ deutlich hilfloser erscheint.
Insgesamt erfährt der Leser überhaupt sehr wenig über die Person Judas. Neben seinem Namen (der seine Herkunft als „Mann aus Karioth“ offenbart) wird allein klar, dass er einer der 12 Jünger ist. Schilderungen über seine Charaktereigenschaften, die man dem allgemeinen Verständnis von Judas als Erzbösewicht erwarten würde, fehlen.
Intertextuell ist der mit den 30 Silberstücken herrgestellte Bezug zu Sach 11,12 erwähnenswert (Vgl. Wolfgang Wiefel: Das Evangelium nach Matthäus. Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament). Dass daneben auch der finanzielle Anreiz für die Tat des Judas hervorgehoben wird, scheint klar.
Exegetische Überlegungen zu Petrus
Petrus zählt in den synoptischen Evangelien zu einem der Spitzenjünger. Er ist  ein einfacher Fischer der den Aufruf Jesu (Mk 1,16-18) freiwillig annimmt und ihn bis kurz vor seiner Kreuzigung stets begleitet. Er ist der erste Jünger, der in Jesus den Messias erkennt (Mk 8,27-30) und zahlreiche Wunder/Zeichen (z.B. Mk 1,30-32) mit Jesus erlebt. Zudem  ist  Petrus derjenige, der mit Jesus auf dem Wasser läuft, Mose und Elias Erscheinen sieht (Mk 9,2-5) und die Schlüssel zum Paradies zugesprochen werden. Vor den Jüngern bekennt er, er würde für Jesus sterben. Im Garten Gethsemane zieht er als erstes das Schwert gegen  einen römischen Soldaten und schneidet ihm ein Ohr ab. Petrus wird jedoch keineswegs in einem schimmernden, fehlerlosen Bild dargestellt. In einer Szene erklärt Jesus den Schriftgelehrten offen, dass der Menschensohn zu leiden habe und nach dem dritten Tag auferstehen müsse; darauf zieht ihn Petrus zu sich, um ihn zu ermahnen. Jesus nennt ihn  Satan und  verwirft den Jünger (Mk 8,31-33), nachdem er kurz zuvor als erstes erkannt hatte, dass Jesus der Christus ist.
Petrus verkörpert sowohl die guten als auch die schlechten Seiten des menschlichen Daseins, dessen Charakter gut auf das Leben der Schülerinnen und Schüler übertragbar ist. Die speziell auf Petrus gerichtete Botschaft des  Engels  am Ende des Markusevangeliums (Mk 16,7) zeigt den Schülerinnen und Schülern, dass Gottes Gnade unabhängig von Fehlern bzw. Sünde auf den Menschen gerichtet ist.
Mensch sein im biblische Sinne bedeutet nicht unbedingt ein frommes, fehlerloses Leben zu führen, dass in jeder Sekunde im Einklang mit dem Willen Gottes ist, sondern jeden Moment zu leben, Fehler zu machen, zu fallen, Freude, Liebe, doch auch Leid und Reue zu fühlen, an seinen Fehlern zu wachsen und das meiste aus sich herauszuholen.
Die Geschichte des Petrus ist eine Erfolgsgeschichte. Er trug einen großen Beitrag zur Gründung der Alten Kirche bei und verfasste Schriften, die heute in der Heiligen Schrift, welche Grundlage des protestantischen Glaubens ist, festgehalten sind.
Vorhersage der Verleugnung des Petrus
Markus 14,26-31
Jesus kündigt in diesem Kapitel an, dass sie sich noch „alle an [ihm] ärgern“ würden (V. 27, ELB 1905).
Doch Petrus will auch dann, wenn alle anderen Jünger versagen sollten, zu Jesus stehen und standhaft bleiben. Sein „ich“ (egò) wird in der direkten Rede am Schluss betont und so von den anderen Jüngern abgehoben. Petrus sieht sich hiermit in einer besonderen Beziehung zu seinem Herrn und Freund.
Das letzte passionsbezogene Amen-Wort Jesu richtet sich als einziges der Amen-Worte an eine Person und damit an Petrus. („Wahrlich ich sage dir […]“.). Noch vor Ende der Nacht wird gerade Petrus Jesus dreimal verleumden.
Die Antwort Petri ist gegenüber dem Amen-Wort Jesu vermessen, doch vielleicht drückt er hier auch nur seine leidenschaftliche Treue aus. Petrus versichert seine Bereitschaft, sogar mit Jesus zu sterben.
Die Vermessenheit wird etwas abgemildert durch die Schlussbemerkung, dass alle Jünger wie Petrus sprachen. Nicht nur Petrus, auch die anderen Jünger haben Jesus Treue versprochen, trotzdem haben alle versagt.
Verleugnung des Petrus
Markus 14,54.66-72
Die Verleugnung des Petrus wird durch V. 54 vorbereitet. Man könnte die Szene in fünf Teile gliedern. In den ersten dreien wird die Zugehörigkeit Petri zum Jüngerkreis angefragt, worauf er reagiert. Die zweite wird dabei etwas kurz und ohne direkte Rede gehalten. Nach der längeren dritten Verleugnung erinnert sich Petrus an die Worte Jesu. Im fünften Teil bereut er sein Handeln. Die dritte Verleugnung ist durch das Fluchen etc. sehr stark dargestellt. Dadurch dass Petrus danach Tränen der Reue weint, wird dieses Bild jedoch gemildert.
16,7 verdeutlicht, dass Petrus durch die Gnade Jesu die Zugehörigkeit zum Jüngerkreis dennoch nicht verspielt hat.
Thematische Zielsetzung
Zunächst scheint es wichtig, herrschende Vorstellungen und Assoziationen, die in der Klasse der Namen Judas und Petrus hervorrufen, zu klären. Als Anstoß könnte ein Foto mit dem Trikot des Fußballspielers Mario Götze dienen, der von Fans nach seinem Vereinswechsel als „Judas“ bezeichnet wurde. (http://www1.wdr.de/themen/bvb316_v-ARDFotogalerie.jpg) Es soll darum gehen, dass öffentliche Bild des Judas mit dem Bild, das das Matthäusevangelium zeichnet zu vergleichen. Dabei soll die Kenntnis des biblischen Textes inhaltlich erarbeitet und reflektiert werden.
Um die Diskussion anzustoßen, wie menschliches Handel mit dem Handeln der Judas zusammenpassen kann, könnte das Gemälde „Das Gewissen“ von Nikolaj Ge dienen. Hier lassen sich die menschliche Abgründe des Judas erkennen. Im Idealfall kann bei Schülerinnen und Schülern ein Denkprozess über ihr eigenes Menschenbild angestoßen werden.
Umsetzung
1. Einstieg 
Inhalt
Bild Ge, Nikolaj Nikolajewitsch, das
Sozial und Aktionsform
Gruppengespräch, vorhandenes
Wissen der Schüler, erste Ideen zu
Judas, Ideen und Äußerungen zu den
Bildern -> Ergebnissicherung an der
Tafel
Medien 
Bilder, Beamer, Laptop, Tafel
2. Erarbeitung
Inhalt 
Erarbeitung des Bibeltextes
Sozial und Aktionsform
Bibeltext lesen jeder Schüler für sich,
Gruppen bilden (4 Schüler in einer
Gruppe)
 Erarbeitung folgender Fragen in den
Gruppen :
Wieso verrät Judas seinen guten
Freund Jesu?
Was fühlt/ empfindet Judas nachdem
er Jesu verraten hat?
Kannst du Judas Tat verstehen?
Medien:
Bibel MT 26,14-16
3. Ergebnissicherung 
Inhalt 
Ergebnisse, die in den Gruppen
festgehalten wurden, werdend
gesammelt
Sozial und Aktionsform 
Klassengespräch die Ergebnisse aus
den Gruppen werden an der Tafel
gesammelt, besprochen und diskutiert
Medien
Tafel
4.Vertiefung
Inhalt
Die erarbeiteten Ergebnisse und
neuen Informationen werden mit einer
weiteren Aufgabe vertieft
Sozial und Aktionsform 
Die Aufgabe: Stelle dir vor du triffst
Judas kurz vor seiner Tat. Er erzählt dir
von seinem Vorhaben. Was würdest du
zu ihm sagen, ihm raten?
Diskussion im Klassengespräch

Abschlussbeitrag

Bei unserer Textauswahl haben wir uns von Christian Günther, der durch Open Reli auf unseren Blog gestoßen ist, leiten lassen. Er hat uns durch eigene Erfahrungen in Bezug auf eine geeignete Textauswahl und Thematik unterstützt. So entschieden wir uns für die Armut-Reichtums-Thematik. Die dazugehörige Textstelle “Vom Schätzsammeln und Sorgen” (Luther-Übersetzung) findet sich bei Matthäus 6, 19-34. Es wird in diesem Text die Haltung Jesus zu Armut und Reichtum beschrieben. Wir haben uns für diese Textstelle zu dieser Thematik entschieden, da wir im Seminar zu dem Entschluss gekommen sind, dass die Bergpredigt ein wichtiger Text ist, den wir gerne mit den Schülerinnen und Schülern (im Folgenden durch SuS abgekürzt) gemeinsam erarbeiten möchten. Anhand dieses Textes können die SuS sehr gut erarbeiten, worin für Jesus das wichtigste Merkmal des Reichtums (Verse 19-24) und das der Armut (Verse 25-34) besteht. Die SuS können diese beschriebenen Merkmale sehr gut auf die heutige Situation übertragen und über den Grundgedanken dieser Textstelle (wer ist nach Jesus reich bzw. arm?) nachdenken. Wir denken, dass diese Textstelle für SuS der Grundschule besonders geeignet ist. Die, in dieser Textstelle, beschriebenen Merkmale von Armut und Reichtum können die SuS in diesem Alter durchaus verstehen und auf sich selbst und ihre Situation übertragen.

Die Thematik haben wir gewählt, weil wir in Zeiten einer konsumorientierten Gesellschaft den SuS zeigen wollen, dass nicht materielle Güter glücklich machen, sondern es auf andere Dinge (Familie, Freundschaft,…) im Leben ankommt. Durch dieses Thema können SuS aus “vermeintlich armen” Verhältnissen Selbstbewusstsein erlangen, da sie lernen, dass es nicht auf den Sozialstatus ankommt. Andere SuS werden ebenfalls für dieses Thema sensibilisiert. Auf diese Weise soll den SuS moralische Werte vermittelt werden. Das ist unserer Meinung die Kernessenz des Themas “Mensch werden”. Die gewählte Textstelle ist für die Vermittlung des Themas besonders prägnant und für die Grundschule auch geeignet.

Die SuS sollen am Ende der Unterrichtseinheit folgende überfachliche Kompetenzen erlangen:
– Personale Kompetenz (Selbstwahrnehmung und Selbstkonzept): Die SuS nehmen ihre eigene soziale Stellung in der Gesellschaft wahr und können daraus ein Selbstkonzept entwickeln.
– Soziale Kompetenzen (soziale Wahrnehmungsfähigkeit, Rücksichtnahme und Solidarität, ggf. Umgang mit Konflikten): Die SuS nehmen auch die sozialen Selbstkonzepte der anderen SuS wahr. Sie lernen, niemanden aufgrund seiner sozialen Stellung in der Gesellschaft auszuschließen. Falls es zuvor in der Klasse diesbezüglich Streitpunkte gab, lernen sie nun damit umzugehen.
– Sprachkompetenz (Kommunikationskompetenz): SuS lernen sich gegenseitig über die Aussagen des Textes und über die eigene Situation auszutauschen.
Des weiteren sollen folgende fachliche Kompetenzbereiche zum Inhaltsfeld “Mensch werden” abgedeckt werden:
– Wahrnehmen und Beschreiben, Kommunizieren und Anteil nehmen, Deuten und Verstehen. Dies geschieht über den Austausch des Textes und dessen Verständnis. Die zuvor beschriebenen fachlichen, wie auch überfachlichen Kompetenzen werden indirekt während des Lernprozesses von den SuS erworben.

Für unsere Exegese haben wir uns für die X-Methode entschieden, um wichtige Begriffe auf Mehrdeutigkeit zu untersuchen. Wie schon zuvor beschriebenen möchten wir den SuS die Merkmale von Armut und Reichtum anhand dieser Textstelle vermitteln. Die Untersuchung einzelner Wörter auf Mehrdeutigkeit erschien uns deshalb als besonders geeignet, um diese Merkmale, die Jesus wichtig sind, näher zu untersuchen. Uns sind außerdem einzelne Wörter in dieser Textstelle besonders aufgefallen, da sie in einzelnen Abschnitten häufiger als andere Wörter verwendet wurden. Durch die X-Methode erhoffen wir uns durch die Untersuchung dieser Wörter, die Struktur und die Aussage des Textes besser verstehen zu können.
In den Versen 19-21 ist uns der Begriff “Schatz/Schätze” aufgefallen, den wir im Folgenden durch ein “X” ersetzt haben, um die Mehrdeutigkeit des Begriffes aufzuzeigen:
19 Sammelt euch nicht X hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, 20 sondern sammelt euch X im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. 21 Denn wo dein X ist, da ist auch dein Herz.
Es gibt also etwas, das auf der Erde wichtig ist. Dies soll nicht auf der Erde gesammelt werden, da es dort zerstörbar ist. Vielmehr soll es im Himmel gesammelt werden. Dort ist es nicht zerstörbar. Je nachdem, wo es gesammelt wird, hat es Auswirkungen auf den Charakter. Das “X” ist vermutlich etwas Materielles hier auf der Erde. Deshalb ist es auch zerstörbar und kann gestohlen werden. Wenn dieses “X” im Inneren des Menschen, also im Herzen gesammelt wird, ist es nicht zerstörbar. Es sind damit womöglich innere Werte gemeint, die vom Menschen gesammelt werden sollen.
In den Versen 22-24 ist uns das Wort “Auge” aufgefallen. Dieses haben wir nun ebenfalls durch ein “X” ersetzt:
22 Das X ist das Licht des Leibes. Wenn dein X lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. 23 Wenn aber dein X böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! 24 Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Der Begriff gibt also dem Körper Licht, Hoffnung und Kraft. Das “X” hat deshalb große Auswirkungen auf den Körper. Es gibt nur das Extreme (dunkel oder hell, krank oder gesund). Dazwischen gibt es nichts. Wenn das “X” krank ist, gibt es kein Licht. Dies kann als Warnung vor der Finsternis gedeutet werden. Deshalb ist auch das “X” dafür verantwortlich, wenn der Mensch in der Finsternis wandelt. Wie auch das “X” gibt Gott dem Menschen Kraft. Es gibt bei der Liebe zu Gott auch nur die zwei Extreme: Entweder liebt man Gott oder man hasst ihn. Es gibt aber keine Möglichkeit mehrere Götter zu lieben.
In den Versen 25-27 haben wir das Wort “Leben” durch ein “X” ersetzt:
25 Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer X, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das X mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? 27 Wer ist unter euch, der seines X Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?
Das “X” ist also wichtig, aber der Mensch soll sich nicht darum sorgen. Genauso wenig soll sich der Mensch, um materielle Dinge (wie Nahrung, Kleidung) sorgen. Das “X” ist wichtiger als materielle Dinge. Der Begriff ist endlich. Der Mensch kann das “X” nicht verlängern. Über das “X” soll sich der Mensch keine Sorgen machen, da Gott das “X” versorgt, wie auch die Tiere, die sich über das “X” nicht sorgen.
In den Versen 28-31 haben wir das Wort “Kleidung” durch ein “X” ersetzt:
28 Und warum sorgt ihr euch um die X? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht geXt gewesen ist wie eine von ihnen. 30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so Xt, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? 31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns Xen?
Das “X” scheint für den Menschen wichtig zu sein. Für Gott nicht. Das, was alle Menschen haben wollen, führt nicht zur Herrlichkeit, auch wenn die Menschen das glauben. Gott bestimmt/ schenkt die Herrlichkeit. Er versorgt die Menschen mit diesem “X”, wie auch die Natur. Das “X” kann mit materiellen Dingen verbunden werden, da es in Zusammenhang mit Essen und Trinken in den letzten beiden Fragen steht. Über das “X” soll sich der Mensch ebenfalls nicht sorgen. Das „X“ kann sowohl als Nomen, wie auch als Verb im Satz auftauchen.
Die Exegese durch die X-Methode unterstreicht unser vorheriges Verständnis der Bibelstelle. Der erste und letzte Begriff (Schätze und Kleidung) stellen materielle Güter dar, die für die Gesellschaft wichtig scheinen. Die beiden mittleren Begriffe (Auge, Leben) dagegen zeigen, dass immaterielle Dinge wichtiger sind, da sie unzerstörbar sind. Die Struktur des Textes spiegelt den Menschen in seiner Erscheinung wieder. Die äußeren Begriffe (Schätze, Kleidung) symbolisieren die Äußerlichkeiten des Menschen. Die mittleren Begriffe stehen für die inneren Werte des Menschen. Dies lässt sich auch an den drei letzten Versen sehen:
32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. 33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. 34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
Die Ungläubigen legen nur Wert auf Äußerlichkeiten und materielle Güter. Wenn man dagegen an Gott glaubt, braucht man sich darum nicht zu kümmern. Gott versorgt den Menschen damit. Die letzten drei Verse resümieren die Textstelle. Deshalb haben wir kein prägnantes Wort durch ein “X” ersetzen können.

Wir haben uns dafür entschieden, die Unterrichtseinheit in einer vierten Klassen umzusetzen. Die SuS verfügen in diesem Alter schon über genügend Hintergrundwissen hinsichtlich der unterschiedlichen sozialen Stellung in der Gesellschaft. Sie können ihre soziale Stellung in Deutschland in Bezug auf andere Länder und auch zu anderen SuS der Klasse einordnen. Die SuS wissen in diesem Alter, dass es auf der Welt viele Menschen gibt, die in großer Armut leben. Durch die Auseinandersetzung mit dieser Thematik soll den SuS bewusst gemacht werden, was Reichtum im Leben wirklich ausmacht. Sind es wirklich materielle Dinge, die einen Menschen reicher machen oder sind es innere Werte? Das Verständnis von inneren Werten in Bezug auf den Reichtum eines Mensch könnte die SuS sensibler in Bezug auf das Leben machen und darauf, worauf es im Leben wirklich ankommt. Nicht auf teure Markenkleidung, teure Autos, Smartphones etc., sondern Familie, Freundschaft, Liebe etc. Die SuS sollen aus dem Text entnehmen, dass diese immateriellen Dinge auch unzerstörbar sind, weil sie etwas Individuelles sind. Sie sind im Herzen jedes Menschens und können deshalb nicht gestohlen werden. Diese inneren Werte machen den Charakter eines Menschen erst aus. Deshalb sind Menschen, die äußerlich arm sind, weil sie keine teueren materiellen Dinge besitzen, für Jesus reicher, weil sie im Herzen reich sind. Wir möchten den Kindern also vermitteln, dass innere Werte wichtiger sind als Äußerlichkeiten. Mit Äußerlichkeiten meinen wir materielle Dinge, die in unserer heutigen konsumorientierten Gesellschaft für die SuS wichtig erscheinen. Sonst sind keine weiteren Anforderungen vorauszusetzen.

Zu Stundenbeginn würden wir uns in einen Sitzkreis mit den SuS setzen. Die Bibelstelle soll nun reihum Vers für Vers vorgelesen werden. Im Anschluss werden Unklarheiten geklärt oder bei größeren Verständnisproblemen kann der Text noch einmal vorgelesen werden. Die SuS sollen nun die Kernaussagen des Textes herausarbeiten, um somit das Thema der Stunde selbst zu erarbeiten. Das Thema kann durch eine Zusammenfassung an der Tafel vertieft und festgehalten werden. Die SuS können eigene Erfahrungen zu diesem Thema darstellen.

Abschlussbericht

Unsere Gruppe L5 hatte sich für Lukas 10, 25-37 (Gleichnis vom barmherzigen Samariter) und Lukas 6, 27; 30 und 31 (Von der Feindesliebe; Von der Stellung zum Nächsten) entschieden. Die Textauswahl wurde durch das vorgegebene Thema „Mensch sein“ bereits eingegrenzt und wir haben uns für diese beiden Textstellen entschieden, weil hier die Aspekte der Nächstenliebe, der Umgang miteinander und mit sich selbst die zentrale Rolle spielen und mit unserer Vorstellung von „Mensch sein“ sehr gut vereinbar waren. Auch fanden wir, dass sich diese beiden Texte sehr gut mit einander verknüpfen ließen und durch die Voranstellung der Perikope bekommen die SuS eine konkrete Handlungsanweisung und durch das nachfolgende Gleichnis ein praktisches Beispiel über den Umgang mit meinem Nächsten und so können eventuelle Unklarheiten vermieden werden.

Anhand der Literatur von Joachim Theis „Biblische Texte verstehen lernen“ ordneten wir den Text ein und gingen zunächst näher auf die Formkritik ein: Die Gattung unserer Bibelstelle ist eine Beispielerzählung, das bedeutet, sie lässt sich direkt anwenden, es ist keine Übertragung nötig. Diese Textgattung bezieht die Kreativität und Erfahrung des Lesers mit ein. Des Weiteren ist sie kein Informationstext, sondern sie konzentriert, aktiviert und kanalisiert auf den Leser hin. Der Leser soll  aktiviert werden mit  der Beispielerzählung mitzugehen, und die Lösung mittragen. Diese Textgattung hat argumentativen Charakter. Für unsere Unterrichtsreihe dient der Text  außerdem zur Präzisierung der Frage, wer der Nächste ist. Der Text besteht aus einer kurzer autonomen Erzählung, die in sich verständlich ist und in sich geschlossen ist (Anfang-Mitte-Ende).Die Textabsicht ist klar verständlich auch wenn dieser erfunden ist. Dennoch ist die Erzählung lebensnah, denn sie enthält alltägliche Wahrheit. Sie beinhaltet den Aufruf zur Nachahmung, mit mahnendem Charakter. Am Beispiel von 3 Personen werden 2 Varianten des sozialen Verhaltens aufgezeigt. Die vorgelegte Erzählung soll Zuhörer zum richtigen Verhalten führen (richtige Handeln wäre ihm sonst zu fremd). Ziel ist es die Hörer zu überreden und emotional anzusprechen.

Anhand Heinrich Kahlefeld´s „Gleichnisse und Lehrstücke“ soll nun die geschichtliche Einführung näher erläutert werden. Dabei werden die sozialen Gruppierungen und Rollenverteilungen der Zeit, der das Gleichnis entstammt, erläutert. In unserem Fall ist dies der Überfallener, ein Jude (dies wird nicht explizit genannt, sondern ist für den Hörer logisch), ein Priester (eventuell vom Tempeldienst, auf dem Weg nach Hause) und ein Levit. Diese sind beide Kultdiener und helfen dem Überfallenen nicht. Mögliche Gründe hierfür könnten die Angst, selber überfallen zu werden, sein. Nach Kahlefeld wird das  Opfer als von Gott gestrafter Sünder angesehen, dem nicht geholfen werden darf.              Am wahrscheinlichsten ist jedoch die Annahme, dass die beiden Kultdiener durch das Kultgesetz gehindert werden zu helfen (jemand der hilft, muss dies bis zu Ende tun, da der Weg zur nächsten Siedlung lange ist und die Möglichkeit besteht, dass der Überfallene stirbt. Dies steht im Widerspruch dazu, dass Priester keinen Totenkontakt haben dürfen). In seinem Werk „Neues Testament“ geht Stefan Alkier auf die Gruppe der Samariter ein. Diese sehen nicht den Tempel in Jerusalm, sondern das in Samarien gelegene Heiligtum am Garizim als zentralen Kultort an. Außerdem akzeptieren sie nur Mose als Prophet und die schriftliche Tora als heilige Schrift. Nach Kahlefeld gelten sie damit für die Israeliten als Ketzer, die nicht besser als Heiden sind.

Die Textkritik nimmt die Entstehung des Textes näher in den Blick; Übertragen auf unseren Text bedeutet dies, dass das Lukasevangelium 80 bis 90n.Chr entstanden ist, in dieser Zeit muss also auch das Gleichnis entstanden sein. Zu dieser Zeit herrschte Kaiser Domitian, im Osten des Reiches finden Verfolgung von Gelehrten, Philosophen und Christen statt.

Das Thema, wie eben bereits erwähnt, die Nächstenliebe, haben wir ausgewählt, weil es immer ein aktuelles und wichtiges Thema an Förderschulen, besonders Erziehungshilfe Schule ist. Um anderen mit Liebe oder eher gesagt „normal“ und ohne Aggressionen entgegen zu treten, sollten die Kinder zuerst einmal, von sich selbst ausgehend, überlegen, was es bedeutet ein Mensch mit Bedürfnissen zu sein. Ist den SuS dies möglich, dann können sie es vielleicht schaffen ihre eigenen Bedürfnisse auf andere zu übertragen und somit verstehen, dass auch andere Menschen Bedürfnisse haben und man den Umgang mit ihnen daran anpasst. Moralische und ethische Grundsätze können so vielleicht einfacher vermittelt werden und menschliches bzw. soziales Handeln den SuS näher bringen. In diesem Kontext können die SuS besonders personale, also die Selbstreflexion, und soziale,  also der Umgang miteinander, Kompetenzen verstärken oder ausbilden. Auch könnte hierbei die Sprachkompetenz gefördert werden, da die SuS ausdrücken und formulieren müssen, was sie selbst für Bedürfnisse haben. An die Problemlösekompetenz werden hierbei die SuS auch herangeführt, da sie sich selbst Ziele setzen und für das Problem (Wie gehe ich mit Anderen um) oder für das Thema in ihrer eigenen Lebenswelt eine Lösung oder einen Umgang damit finden sollen.

Gerade in Förderschulklassen, die durch starke Heterogenität geprägt sind, ist es wichtig sich als Lehrperson auf den einzelnen Schüler einzustellen. Das Fehlen eines einheitlichen Kerncurriculums für Förderschulen unterstützt diese Aussage. Beispielsweise weist die KMK mit ihrer Empfehlung über den schulisch-erzieherischen Umgang im Unterricht mit Schülern des Förderbedarfs geistige und soziale Entwicklung explizit darauf hin, dass der Unterrichtsstoff einen hohen Aufforderungscharakter haben soll. SuS sollen so lernen ihre kommunikative Handlungsfähigkeit auszubauen und die so erworbene sprachliche Kompetenz soll mithilfe des Unterrichts „in  neuen Sachzusammenhängen und Lernsituationen erprobt (…)“ (http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2000/2000_03_10-FS-Emotionale-soziale-Entw.pdf, Stand: 9.2.2014)  werden. Deutlich wird hier die Notwendigkeit, dass sich der Unterrichtsstoff an die aktuelle Lebenswelt (siehe auch lebensweltorientierter Ansatz nach G. Thiersch) der SuS anlehnt. Aber auch, dass der Unterrichtsinhalt weniger auf abrufbare Leistung, sondern mehr auf kompetenzorientierte Unterrichtsthemen angesetzt ist. Mit dieser, für viele LehrerInnen neuen Perspektive, ändert sich auch die Herangehensweise der methodisch-didaktischen Unterrichtsgestaltung und der Leistungsüberprüfung in der Schule. Insofern: Je individueller die SuS sind, desto individueller müssen auch die Anforderungssituationen für jeden einzelnen SuS gestaltet werden. Werden die einzelnen SuS im systemischen Kontext ihrer Umwelt (also als nicht-triviale Wesen) betrachtet, liegt es auf der Hand, dass jede(r) SchülerIn ihre/seine eigene Lerngeschichte mitbringt, also auch seine/ihre eigene Art hat, sich Wissen und Bildung anzueignen. Eine standardisierte, orthodoxe Leistungserhebung- bzw. Evaluation stößt hier an ihre Grenzen. Der Blick des Lehrers muss also erstens auf die Lebenswelt, den Lebensalltag der SuS gerichtet werden, und zweitens muss ein Paradigmenwechsel stattfinden, vom leistungsorientierten Unterricht, hin zum kompetenzorientierten Unterricht.

In unserem speziellen Fall der Unterrichtseinheit in Religion über das Gleichnis des barmherzigen Samariters in Verbindung mit dem Gebot der Nächstenliebe heißt dies zuerst einmal, dass eine lebensbedeutsame, religiös relevante Anforderungssituation (vgl. Lenhard) geschaffen werden soll. Das heißt also, dass die SuS aufgefordert bzw. motiviert werden sollen, sich mit dem Textinhalt des Gleichnisses auseinander zu setzen. Wir würden es also auch Aufforderungssituation nennen, oder Unterrichtssituation mit einem besonders starken Aufforderungscharakter. Unserer Ansicht nach dient das Gleichnis besonders einer demokratischen Werteerziehung. In einer Großstadt wie Frankfurt (angenommen die Schule liegt im Einzugsgebiet FFM) treffen die SuS tagtäglich auf Armut, eventuell sind einige auch selbst betroffen. Der lebensbedeutsame Bezug ist also gegeben.

Ein Mensch kommt in dem Gleichnis unter die Räuber. Was könnte dies in unserer heutigen Zeit bedeuten: Armut, Arbeitslosigkeit, Drogenkonsum, Spielsucht, Schulden… alles Dinge mit denen sich SuS im Teenageralter konfrontiert sehen. Jüngere Kinder in der Grundstufe könnte man an das Gleichnis bzw. an die Räuber so hinführen, indem sie gefragt werden, was ihnen lieb und teuer ist. Und worüber sie am meisten traurig wären, wenn es ihnen weggenommen würde: Die Eltern (Scheidung), Geschwister, Oma/Opa, FreundInnen, Haustiere….Wie würde es den Kindern dann gehen, wenn ihnen das Liebste weggenommen werden würde? Wo würden sie Hilfe suchen? Das Gleichnis lässt viel Spielraum für emotionale Interpretation, da es in einfacher, nüchterner Sprache verfasst ist. Ein behutsames Vorgehen im Unterricht ist konstitutiv.

Der Priester und der Levit gehen an dem Mann am Boden vorüber. Also Menschen mit hoher moralischer Vorstellung von dem was gut und richtig ist. Wie sieht es mit uns aus? Würden wir auch vorüber gehen? Gehen wir an Bettler und Obdachlose oder Drogenabhängige vorüber, ohne sie zu beachten? Wo liegen die Grenzen der Mildtätigkeit und wie sieht es mit dem Selbstschutz aus? Auch dies sind interessante Fragen, die wie Blitzlichter in den Raum geworfen werden und die ein hohes Anforderungspotenzial haben.

Eben genannte Beispiele sind kurze Überlegungen, die im Ernstfall methodisch-didaktisch mit Leben gefüllt werden müssen. Diesbezüglich ist es notwendig, dass das Unterrichtssetting (Sozialform etc.) an sich einen ansprechenden Charakter hat. Mit jüngeren Kindern kann bspw. das Gleichnis nachgespielt werden. Ältere SuS können ein Rollenspiel zum Thema machen, hinterher wird reflektiert, wie sich die einzelnen SuS in ihrer jeweiligen Rolle gefühlt haben.

Die zentrale Anforderungssituation, die wir in dem Gleichnis sehen ist also der enorme Bezug auf das eigene Leben. Die Übertragbarkeit des Gleichnisses auf das Leben jeden einzelnen/ jeder einzelnen Schülers/Schülerin liegt auf der Hand. Das Überthema der Unterrichtseinheit „Mensch werden“ muss mitgedacht werden. Die thematische Zielsetzung steht in engem Zusammenhang mit der Anforderungssituation. Zum einen soll differenziert geklärt werden, wie sich die SuS in der Situation des Gleichnisses verhalten würden. Sie sollen dazu alle Positionen einnehmen (Räuber, Gefallener, Levit, Priester, Samariter, Wirt) können. Eine schülerzentrierte Zielsetzung ist das emotionale Einlassen auf die verschiedenen Rollen.Letztlich soll die Empathiefähigkeit als Grundkompetenz der SuS gestärkt werden. Gleichzeitig sollen sich die SuS identifizieren können mit den verschiedenen Rollen (Täter, Opfer, Retter, Helfender). Der Identifikationsprozess soll mithilfe der Lehrperson erarbeitet und aufgearbeitet werden. Eine thematische Zielsetzung ist es also, das Gleichnis auf seine Protagonisten hin zu untersuchen.

Zum anderen spielt die Auflösung des Gleichnisses eine zentrale Rolle. Der Samariter hilft dem Gefallenen und bringt ihn zu einem Wirt. Aus theologischer Perspektive kann  nach einer versteckten Botschaft gefragt werden: Für welche Person steht der Samariter? Ist Jesus der Retter gemeint, der einen gefallen, zerstörten Menschen wieder aufrichten kann? In dieser inhaltlichen Zielsetzung ist das Evangelium enthalten, dem sich auf diese Art genähert werden kann. Oder ist die einzige Aussage die, dass ein jeder/ ein jede hingehen soll und das gleiche tun soll wie der Samariter? In dieser Lesart kann das Gebot der Nächstenliebe hinzugezogen werden. Beide Perspektivrichtungen können als thematische Zielsetzung im Unterricht verwendet werden. Die erste bei älteren SuS, die zweite bspw. in der Grundstufe.

Auf der Basis dieser Überlegungen erstellten wir eine Unterrichtseinheit für die Grundstufe, etwa 3.Klasse. Diese orientiert sich an den oben genannten Leitfragen (Was bedeutet es, ein Mensch mit Bedürfnissen zu sein und wie gehe ich mit anderen um) und Kompetenzen (Empathiefähigkeit, Selbstreflexion, Sprachkompetenz). Der Unterricht soll dabei kompetenzorientiert und an die Lebenswelt der SuS angelehnt sein. Auch sollen durch das Anbieten vielfältiger Zugänge wie Bilder, Musik oder Rollenspiele verschiedene Lerndimensionen angesprochen werden.

Für den Einstieg in das Unterrichtsthema des Gleichnisses könnte man beispielsweise eine Skulptur/ ein Bild des barmherzigen Samariters im Stuhlkreis aufstellen und dies gemeinsam zunächst beschreiben. Ziel dabei wäre es, die emotionale Bereitschaft der SuS zu stärken, sich auf das Thema einzulassen. Nach diesem Einstieg, der auf Worte wie ´sich helfen´ oder ´arm/krank´zielen soll, folgt die Erzählung oder das Vorlesen des Gleichnisses in leicht verständlicher Form. Ziel ist, dass die SuS die Geschichte verstehen und im Bild widererkennen können. Dabei soll auf den Aspekt der Nächstenliebe eingegangen werden (Was heißt Nächstenliebe, evt. Wer ist mein Nächster).                Übertragen auf das Gleichnis heißt dies, dass die SuS die Geschichte deuten und mit eigenen Erfahrungen verbinden können. Um einen Alltagsbezug herzustellen, soll es dabei Zeit für den Austausch eigener Erfahrungen geben. Das gemeinsame Singen eines Liedes (z.B. Von allen Seiten umgibst du mich) soll den SuS ermöglichen, die Liebe Gottes wahrzunehmen, wobei die SuS gegenseitig Bezug auf ihre MitschülerInnen herstellen sollen. Das heißt, dass auf die Fragen ´Wie sollen wir handeln? Was können wir in unserem Leben tun? Wo können wir anderen Menschen helfen?“ konkrete Handlungsmöglichkeiten gegeben werden sollen. Dies bietet viel Freiraum, um aktuelle Geschehnisse mit einzubeziehen wie z.B. ein Kind, das neu in die Klasse gekommen ist oder die Krankheit von Freunden/Familie…Dazu soll jeder SuS ein konkretes Ziel für sich persönlich formulieren, wem oder wo er  in einem von der Lehrkraft vorgegebenen Zeittraum (z.B. ein Tag, eine Woche) helfen will und kann. Dieses Ziel soll dann auch von jedem tatsächlich umgesetzt und anschließend reflektiert werden (Wie und wem habe ich geholfen, wie hat derjenige reagiert, wie habe ich mich dabei gefühlt…). Auch ein eintätiger Besuch zu einer sozialen Einrichtung wäre an dieser Stelle möglich, um den SuS Möglichkeiten zu zeigen, wie man anderen Menschen helfen kann.  Eine weitere Methode könnte auch ein Rollenspiel des Gleichnisses sein, wobei das emotionale Einlassen auf die Charaktere und die Gefühle  der Protagonisten herausgearbeitet werden sollten. Um die sozialen Gruppierungen und Begriffe dieses Gleichnisses zu erarbeiten, wäre eine Stationsarbeit zu den Gruppierungen zur Zeit Jesu möglich, die besonders die individuellen Lern/-und Entwicklungsstände der SuS berücksichtigt. Als alternative Leistungsüberprüfung wäre es denkbar, dass die SuS beispielsweise in einem Liedtext relevante Textstellen unterstreichen sollen, die in Bezug zum Gleichnis/der Geschichte stehen. Dies wirkt auf den ersten Blick eventuell trivial, jedoch kann dadurch überprüft werden, ob die SuS zentrale Aspekte des Gleichnisses verstanden haben. Dies sind lediglich Beispiele für Methoden, um den Religionsunterricht kompetenz-und entwicklungsorientiert zu gestalten; Sie verdeutlichen, wie viele Gestaltungsmöglichkeiten und Anknüpfungspunkte dieses Gleichnis bietet.

 

 

Abschlussaufgabe

  1. Textauswahl und Begründung

Wir haben den Text „Jesus und die Ehebrecherin“ (Joh, 8) gewählt, da er selten im Unterricht verwendet wird und somit eher abwechslungsreich ist. Des Weiteren haben wir in dem Text einen sehr guten Bezug zur Lebenswelt gesehen. Zum Ersten kann man den Inhalt gut auf den Satz „Jeder Mensch macht Fehler“ beziehen und zum Zweiten besteht ein guter inhaltlicher Bezug zur Familiengeschichte. Viele Kinder leben und wachsen in nicht-konservativen Verhältnissen auf und sind somit direkt betroffen. Deshalb sollte solch ein Text nicht tabuisiert werden, da er sich, in gewisser Weise, durchaus mit „modernen“ Umständen beschäftigt. Außerdem war uns von Anfang an bewusst, dass dieser Text ein sehr breites Themenspektrum abdeckt, mit dem wir eine gute Arbeitsgrundlage haben, wie da zum Beispiel wären Fehlbarkeit, Güte, Moral und Schuld.

 

  1. Themenwahl und didaktische Begründung

Das Thema „Mensch werden – Mensch sein“ war uns vorgegeben. Wir haben den Schwerpunkt auf „Ausgrenzung/Mobbing“ gelegt. Vermitteln wollen wir den Kindern, dass alle Menschen unterschiedlich sind, fehler machen und daraus lernen, dass es Verzeihung und Entschuldigungen gibt, welche in der Gesellschaft sehr wichtig sind. Des Weiteren wird gelehrt, dass man keine vorschnellen Urteile (vorallem über die Mitmenschen) bilden soll, dass Toleranz sehr wichtig ist und was sie bedeutet und wie mit Streitsituationen umgegangen werden kann.

 

  1. Zu erlangende Kompetenzen

Überfachliche Kompetenzen:

  • personale Kompetenz
  • Sozialkompetenz
  • Lernkompetenz
  • Sprachkompetenz

Fachliche Kompetenzen:

  • Fragen und Begründen
  • Deuten und Verstehen
  • Kommunizieren und Anteilnehmen
  • Handeln und Teilhaben

 

  1. Exegetische Grundlage für eine didaktisch-reflektierte Umsetzung

Intertextuelle Interpretation

Die Pharisäer und die Schriftgelehrten werden in dem Text als eine Einheit beschrieben, da sie stets mit dem Wort „und“ verbunden und immer gemeinsam aufgeführt werden. Es wird explizit gesagt, dass Jesus ein Urteil sprechen soll, dass sich nicht an den alten Geboten Mose orientiert, sonst wollen sie ihn verklagen. Daraufhin ignoriert Jesus sie. Nach weiterem Drängen und Bestehen auf ein Urteil spricht Jesus, dass derjenige, der ohne Sünde sei, den ersten Stein auf die zu verurteilende Frau werfen solle. Nach und nach gehen die Pharisäer weg, zunächst die älteren, welche aufgrund ihrer Lebenserfahrung wahrscheinlich auch von mehr Sünden belastet sind, und dann die jüngeren. Als Jesus allein mit der Frau dasteht, spricht er zu ihr: „Frau, wo sind sie geblieben? Ist keiner mehr da, um dich zu verurteilen?“, worauf sie ihm entgegnet: „Keiner, Herr.“, und Jesus sagt ihr: „Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen, aber tu diese Sünde nicht mehr!“ (vgl. Johannes 8, 10-11). Hier ist zu sehen, dass Jesus sich nicht als Retter darstellt sondern einen belehrenden Charakter vorweist, indem er die Frau explizit auffordert nicht mehr zu sündigen und damit verbunden, aus ihren Fehlern zu lernen.

Textkritik

Zur Textkritik wollen wir verschiedene Übersetzungen der Bibelstelle betrachten und vergleichen, da wir auf den griechischen Originaltext der Septuaginta nicht zurückgreifen können. Folgende Bibelübersetzungen haben wir verglichen und vorliegen:

  • Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers (1984). Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart. Stuttgart.
  • Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift – Das Neue Testament (1980). Katholische Bibelanstalt und Deutsche Bibelstiftung. Stuttgart.
  • Bibel in gerechter Sprache (2006). Hrsg.: U. Bail, F. & M. Crüsemann, E. Domay, u.a. Güthersloher Verlagshaus. Güthersloh.
  • The new english bible – New Testament (1961). Assosiation of english churches. Oxford and Cambridge university press.
  • Zürcher Bibel (2007). Hrsg.: Kirchenrat der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Theologischer Verlag Zürich. Zürich.
  • Die gute Nachricht (1997). Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart. Stuttgart.
  • Die Nacht leuchtet wie der Tag – Bibel für junge Leute (1992). H. Heller, H. Biesenbach. Verlag Moritz Diesterweg. Frankfurt am Main.

Vergleicht man nun die Bibelstelle in verschiedenen Übersetzungen, fällt auf, dass in einigen Bibeln der Text nicht vorhanden ist. Johannes 8 beginnt erst ab Vers 12. Zu diesen Bibeln zählen die „Bibel in gerechter Sprache“ und die „new english bible“. Zur Begründung wird aufgeführt, dass der Text erst sehr viel später, als alle umliegenden Texte, ins Johannesevangelium eingeführt wurde und somit umstritten ist, ob die Verfasserschaft überhaupt bei ein und demselben Autor liegt. Außerdem sind Stil und Sprache deutlich anders, als der restliche Text des Evangeliums. Auffällig ist außerdem, dass die Länge des Textes variiert, was zum einen sicher an der Ausführlichkeit des Inhalts und zum anderen an der Verwendung von unterschiedlichen Worten liegt. Wörter wie „Sünde“ werdem zum Beispiel in einigen Übersetzungen mit „Unrecht“ ersetzt. Vielleicht deshalb, weil der Komplexität des Begriffes „Sünde“ entgangen werden soll, oder um den Text begreifbarer und plausibler für die heutige Zeit erscheinen zu lassen.

Festzuhalten bleibt, dass man davon ausgehen kann, dass der Text mit der kürzesten Übersetzung wahrscheinlich sehr nah am Urtext ist. Dies gilt für die Luther-Übersetzung und die Übersetzung der Zürcher Bibel. Somit werden wir uns in der anschließenden Exegese an die Luther-Übersetzung und die Zürcher Bibel halten.

Pragmatische Interpretation

Hier wird der Bezug des Textes zum Leser betrachtet, das heißt, die Frage, wie der Text auf den Leser wirkt. Für uns liegt der Schwerpunkt der Wirkung des Textes auf den Themen „Verurteilung“ und „Menschen machen Fehler“. Jesus selbst wirkt als das schlichtendes, belehrendes Glied, er bewegt die Pharisäer durch Konfrontation dazu, ihre vorschnellen Verurteilungen zu überdenken. Da den Pharisäern, die als das verurteilende Glied wirken, bewusst wird, dass sie selbst ebenso wenig frei von Sünde sind, wie die Ehebrecherin, geben sie ihrer Forderung nach, die Frau zu steinigen und gehen fort. Durch diese unerwartete Wendung der Geschichte, wird der Leser dazu angeregt über vorschnelle Verurteilungen nachzudenken. Des Weiteren hat die Forderung Jesu, dass derjenige, der frei von Sünde sei, den ersten Stein werfen solle, eine starke Wirkung. Es wird deutlich, dass kein Mensch vollkommen frei von Sünde ist und somit wird auch der Leser automatisch aufgefordert über seine Fehler nachzudenken, undzwar bevor er über andere urteilt.

 

  1. Anforderungssituation

Um mit dem von uns ausgewählten Text arbeiten zu können, sollten die SuS bereits in der Lage sein empathisch zu denken und empfinden zu können. Es sollte außerdem ein Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und SuS aufgebaut sein, da das Thema die Kinder persönlich und direkt betreffen könnte. Wenn sie nämlich bereits fähig sind Transferarbeit zu leisten (was sie sein sollten), das heißt, einen Bezug zwischen Text und Lebenswelt herzustellen, könnten sie die Aussage und Wirkung des Textes schnell auf sich und die Familie beziehen. Für unseren Unterrichtsplan ist es außerdem wichtig, dass die Schüler bereits in verschiedenen Sozialformen arbeiten können, wie zum Beispiel Gruppenarbeit(bzw. Gruppenpuzzle) oder Partnerarbeit, was gleichzeitig in gewisser Weise ein selbstständiges Arbeiten voraussetzt.

 

  1. Thematische Zielsetzung

Ziel unserer Unterrichtseinheit ist es, dass die SuS lernen, was Verurteilung, Vergebung und Fehlbarkeit bedeutet, wie man damit umgeht und wie vorallem Streitsituationen geschlichtet werden können. Alles in Allem sollte die Unterrichtsstunde für ein besseres Klassenverhältnis sorgen, da die Kinder Kompetenzen im Umgang mit Streitsituationen, sowie Selbstreflektion und Selbstbeherrschung erlernen. Folgen davon (und somit das Ziel) sollten im besten Fall sein, dass die Kinder weniger streiten, einen besseren Umgang miteinader erlernen und sich selbst besser einschätzen lernen, da sie nun wissen, dass jeder Mensch Fehler macht und, dass man sich dafür nicht schämen muss.

 

  1. Umsetzung (knapp)

Themenschwerpunkt: „Ausgrenzung/Mobbing“

Einführungstext ‚Die Ehebrecherin‘: Der Text wird von der Lehrkraft vorgelesen.

1. Gruppeneinteilung: 3 Gruppen á 6 SuS

→ jede Gruppe bekommt die Aufgabe ein Rollenspiel zum Thema zu konstruieren. Dabei gibt es seitens der Lehrkraft keine Vorgaben, außer der einen, dass die Konfliktsituation des Rollenspiels NICHT aufgelöst oder geklärt werden soll.                                          Diese Arbeitsphase wird durch die jeweilige Aufführung der Rollenspiele beendet.

2. Gruppeneinteilung: 3 Gruppen á 6 SuS, in jede Gruppe werden je 2 SuS der vorherigen Gruppen eingeteilt

→ Gruppe A: Bearbeitung zu Hilfestellungen und Lösungen bezüglich Ausgrenzung, sowie der Frage „Wie gehe ich selbst mit dem Konflikt um?“

→ Gruppe B: Bearbeitung Ursachen für Ausgrenzung

→ Gruppe C: Bearbeitung „Warum sollte man bei Ausgrenzung eingreifen?“

3. Gruppeneinteilung: alle SuS gehen zurück in die Gruppen der ersten Arbeitsphase

→ Austausch über die zweite Arbeitsphase und gemeinsames Konstruieren eines neuen Rollenspiels MIT Lösung

→ Aufführung des Rollenspiels

→ In Zusammenarbeit mit der Klasse jeweils Interviews mit den Schauspielern (in ihren Rollen) [Beispielfragen der Klasse: „Wie habt ihr euch dabei gefühlt?“ / „Warum habt ihr so gehandelt?“]

4. Erörterung der Klasse

→ Was ist geschehen?

→ Warum ist es geschehen?

→ Was war die Lösung?

→ Gibt es eine bessere Lösung? Und warum?

5. Abschluss

→ Wie lässt sich so etwas verhindern?

→ Bezug zur Einführungsgeschichte?

Um aus dem gewählten Text/Thema eine Unterrichtseinheit konstruieren zu können benötigt es zunächst Materialien zum Thema Streitschlichtung und Mobbing sowie Mediations-Materialien. (Beschäftigung mit folgenden Punkten: „Warum sollte man helfen?“; „Gründe für Ausgrenzung“; „Hilfestellungen“) Eventuell Infomationen über Hilfestellen in der Umgebung, wie beispielsweise Hotlines, Internet, Hilfestellen bei der Stadt. Der Text selbst wird in der Unterrichtseinheit sowohl zur Einleitung des Themas, als auch zur Reflexion zum Ende hin mit Bezug zum gewählten Thema eingesetzt. Alternative Methoden zum Umgang mit Bibeltexten im Unterricht sind beispielsweise Text-Puzzel, Weiterschreiben einer Geschichte, Bezüge zu aktuellen Themen herstellen, sprachliche Übertragung und Vergleiche (zwischen verschiedenen Bibeltexten und/oder mit trivialen Geschichten oder Märchen, die den Kindern bereits bekannt sind).

 

  1. Fazit

Wir haben bewusst einen etwas schwierigeren Text ausgewählt. Wir wissen, dass solch eine Auswahl gerade bei Eltern zu Komplikationen führen kann, jedoch ist der Text, auch wenn er bibeluntypisch sein mag, ein Bestandteil der Bibel und sollte, unserer Auffassung nach, nicht tabuisiert werden, da gerade zur heutigen Zeit viele Kinder in unkonservativen Familienverhältnissen aufwachsen und auch in der Schule im Umgang mit solchen Situationen unterstützt werden sollten. Außerdem gingen wir vorneweg davon aus, dass durch den Text ein Mehrwert entsteht und die SuS ihn als fiktionale Geschichte begreifen werden. Für uns zählte in erster Linie, dass wir die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin von Anfang an als nicht zu oft behandelt, lehrreich und sehr gut anwendbar auf das eigentliche Thema einstufen konnten.

Abschlussbericht Taufe

Textauswahl und Begründung:
Das Thema „ Mensch werden-Mensch sein“ wird anhand des Themas  Taufe erarbeitet. Da mit der Taufe der Mensch in die christliche Gemeinschaft aufgenommen wird, möchten wir den Ablauf der Taufe und alle Bedeutungen rund um das Thema mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam erarbeiten.
Dafür haben wir die folgende Bibelstelle ausgewählt:
Mt 3,13-17
13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen.
16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Wir haben uns für den Text Mt 3, 13-17 entschieden, weil wir denken, dass man mit den SuS folgendes daran erarbeiten kann:
  • die Taufe als Ritual des christlichen Glaubens besprechen
  • die Bedeutung der Taufe für Jesus und für uns heute
  • die „Veränderung“ thematisieren, die die Taufe für Jesus mit sich bringt

Themenwahl und didaktische Begründung:

Die Taufe zählt zu Grundbausteine in der christlichen Religion. Daher halten wir es für notwendig, diese im Religionsunterricht der Grundschule zu besprechen. Der Akt der Taufe ist ein handelnder, sodass die Schülerinnen und Schüler einen einfachen Zugang zu diesem Thema finden können. Sie können sehen, was bei einer Taufe passiert. Schnell kommt da die Frage auf: „Warum macht man das?“

Hieran anschließend kann die Geschichte der Taufe Jesu erzählt werden (Mt 3, 13-17).
Damit  greifen wir aus dem Kerncurriculum den Punkt „Jesus Christus“ auf. „Nach christlichem Glauben erschließt sich durch Jesus unsere Beziehung  zu Gott“ (Hessisches Kultusministerium, Kerncurriculum Primarstufe,  Evangelische Religion http://www.iq.hessen.de, S.15).Wir erhoffen uns demnach auch, dass den Schülerinnen und Schülern ihre Beziehung zu Gott klarer wird. Hierbei ist es von großer Bedeutung den Schülerinnen und Schülern deutlich zu machen, dass jeder Standpunkt zur Taufe akzeptiert und gewürdigt wird. Auf keinen Fall soll das Gefühl vermittelt werden: „Nur wer getauft ist, ist wirklich Mensch geworden“.
Vielmehr soll nach dem Erzählen der Geschichte zusammen mit den SuS geschaut werden, ob und inwiefern Teile der Geschichte in die heutige Zeit übertragbar sind.
Des  Weiteren werden mit dem Thema Taufe Fragen aufkommen. Diese Fragen  könnten beispielsweise sein, was die Taufe mit dem christlichen Glauben  zu tun hat, oder was die Taufe für eine Rolle in ihrem eigenen Leben  darstellt. Vor diesem Hintergrund bietet das Thema den Kindern eine  eigene Orientierung im christlich- biblischen Glauben (Hessisches  Kultusministerium, Kerncurriculum Primarstufe, Evangelische Religion http://www.iq.hessen.de, S.12).
Ebenso  wichtig ist es, dass die Kinder verstehen und anschließend für sich  deuten können, was der Sinn der Taufe ist. In diesem  Kompetenzbereich wird auch das Bibelverständins der Kinder gefördert.(Hessisches  Kultusministerium, Kerncurriculum Primarstufe, Evangelische Religion http://www.iq.hessen.de, S.12).
Zu erlangende Kompetenzen:
Die SuS lernen, was die Taufe ist, um was es bei der Taufe geht und wie, wo und von/durch wen sie praktiziert wird.
Mit der Bearbeitung der Geschichte zur Taufe Jesu haben die SuS die Möglichkeit sich den christliche Glauben und ihre Beziehung zu Gott zu erschließen. (Hessisches Kultusministerium, Kerncurriculum Primarstufe,  Evangelische Religion http://www.iq.hessen.de, S.15).
Somit bietet das Thema den Kindern eine  eigene Orientierung im christlich- biblischen Glauben (Hessisches  Kultusministerium, Kerncurriculum Primarstufe, Evangelische Religion http://www.iq.hessen.de, S.12).
Durch die Auseinandersetzung mit dem Bibeltext wird auch das Bibelverständins der Kinder gefördert.(Hessisches  Kultusministerium, Kerncurriculum Primarstufe, Evangelische Religion http://www.iq.hessen.de, S.12).
Durch die Bearbeitung des Themas erweitern die SuS ihre  Sprachlichen Kompetenzen und verbessern ihre  Kommunikationsfähigkeiten.
Exegetische Grundlage für eine didaktisch reflektierte Umsetzung:
Als exegestische Grundlage wählten wir die semiotisch-kritische Exegese. Zusammenfassend haben wir folgendes herausarbeiten können:
Im Mittelpunkt unseres Textes stehen zwei Handlungen, zu Beginn die Überwindung Johannes Jesus zu taufen. Der zweite Teil besteht aus der Offenbarung Gottes, der Anerkennung Jesus als seinen Sohn. Durch die Anwendung der Motifemanalyse  auf unseren Text wurde deutlich wie wichtig die Offenbarung Gottes für die Interpretation der Taufe wird. Auch das Aktantenmodell hat uns gezeigt, dass nach unserer Interpretation Gott der Adressant ist. Er also ist der Geber und spielt damit die Schlüsselrolle in der Handlung.
Uns ist aufgefallen, dass Jesus durch die Taufe von Gott gekennzeichnet wird, als dessen Sohn. Daraus können wir schließen, dass jeder Mensch durch die Taufe von Gott aufgenommen wird. So steht die Taufe für uns sinnbildlich, als Aufnahme in Gottes Gemeinde.
Anforderungssituation:
Die Anforderungssituationen die sich an die SuS stellen sind als erstes, sich auf das Thema Taufe einzulassen, die Handlungsabläufe zu verstehen und für sich deuten zu können. Hierbei werden viele neue Begriffe und deren Bedeutung für die SuS auftauchen, wie z. B. Taufbecken, Taufwasser, Taufspruch, Taufpaten, die es gemeinsam zu besprechen gilt. Die aufkommenden Fragen sollen zur Geschichte der Taufe Jesu hinführen. Hier werden die SuS mit einer biblischen Geschichte konfrontiert. Die SuS sind dazu aufgefordert diese zu begreifen und zu deuten, als eine Geschichte aus einer anderen Zeit. Darauf folgt die Anforderung des Transfers in die Alltagssituation der SuS. Die SuS stehen vor der Aufgabe Teile/ Bedeutungen der Geschichte für sich zu übertragen auf heutige/ alltägliche Menschen. Die Transferleistung stellt die schwierigste Anforderung da und gilt demnach als wichtigste Phase in der Bearbeitung der Unterrichtseinheit. Ihr sollte genügend Raum zugesprochen werden. Gleichbedeutend ist die abschließende Diskussion des Themas Taufe/ getauft sein/ nicht getauft sein/ getauft werden/ nicht getauft werden/ sich nicht taufen lassen/ sich taufen lassen. Hierbei entsteht die Hohe Anforderung an die SuS die Mitschülerinnen und Mitschüler mit ihren eigenen Meinungen und Gefühlen zu akzeptieren und zu respektieren.
Thematische Zielsetzung:
Ziel der Unterrichtseinheit soll sein, dass die SuS wissen, was die Taufe ist und was bei der Taufe passiert. Hierbei soll nicht nur auf den handelnden Akt verwiesen werden können, sondern auch der religiöse Aspekt der Taufe (die Aufnahme Gottes) erklärt werden können. Zudem sollen die SuS die Geschichte der Taufe Jesu kennen und ihre Botschaft für die Menschen heute beschreiben können. Ein weiteres bedeutendes Ziel der Unterrichtseinheit soll sein, dass die Schülerinnen und Schüler begründet Stellung nehmen können zur christlichen Taufe.
Umsetzung:
Wir haben uns aufgrund der hohen Anforderungssituation dazu entschlossen, das Thema in einer 4. Klasse zu erarbeiten.
Die Einheit zum Thema Taufe soll dann wie folgt gegliedert sein:
  • Besuch eines Taufgottesdienstes/ alternativ: Video zur Taufe
  • Besprechung der Taufe: Ablauf, auftretende Personen und Gegenstände werden besprochen
  • Anschließendes Gespräch mit den SuS –> aufkommende Fragen: Warum macht man das?
  • Daran anschließend: Die Geschichte der Taufe Jesu wird erzählt
  • Erarbeitungsphase: im Gespräch wird erarbeitet, dass Jesus von Gott aufgenommen wird
  • Übertragung auf heutige Gesellschaft: Taufe, als Aufnahme Gottes, Anerkennung Gottes
  • Abschließende Diskussion: SuS tauschen ihre Meinungen zur Taufe aus
  • SuS kommen zu dem Ergebnis, dass es eine freie Entscheidung der Eltern ist, ihr Kind taufen zu lassen oder nicht. Die SuS wissen, dass sie durch die Konfirmation die Möglichkeit haben ihre Taufe zu bestätigen oder wenn sie noch nicht getauft sind, sich taufen zu lassen, wenn sie das möchten. Den SuS ist bewusst, dass sie egal wie sie sich entscheiden anerkannt und geliebt werden.

Abschlussbericht

Normal
0

21

false
false
false

DE
X-NONE
X-NONE

/* Style Definitions */
table.MsoNormalTable
{mso-style-name:“Normale Tabelle“;
mso-tstyle-rowband-size:0;
mso-tstyle-colband-size:0;
mso-style-noshow:yes;
mso-style-priority:99;
mso-style-parent:““;
mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;
mso-para-margin-top:0cm;
mso-para-margin-right:0cm;
mso-para-margin-bottom:10.0pt;
mso-para-margin-left:0cm;
line-height:115%;
mso-pagination:widow-orphan;
font-size:11.0pt;
font-family:“Calibri“,“sans-serif“;
mso-ascii-font-family:Calibri;
mso-ascii-theme-font:minor-latin;
mso-hansi-font-family:Calibri;
mso-hansi-theme-font:minor-latin;
mso-fareast-language:EN-US;}

Abschlussbericht

 

Zu dem Thema „Mensch werden/sein“ wollten wir den Schülern eine Unterrichtseinheit bieten, die ihre Gedanken zum Thema „Hilfsbereitschaft“ anregen sollen.
Hilfsbereitschaft ist einer der wichtigsten sozialen Werte unserer christlichen Gesellschaft, welcher uns in alltäglichen Situationen begegnet und auch praktiziert werden sollte.
Aus diesem Grund haben wir den Text „Der barmherzige Samariter“ gewählt, da der Text diesen Wert deutlich darstellt und offensichtlich präsentiert. Des Weiteren eignet sich der Text gut um auch auf geschichtliche Hintergründe einzugehen. Besonders tritt in dieser Bibelstelle hervor, dass mit den auftretenden Personen und deren Zugehörigkeit zu einer Gruppe gewisse Charakteristika (Hilfsbereitschaft) verbunden werden, in diesem Fall der Gruppe der Priester und Leviten, die jedoch von den einzelnen Personen nicht repräsentiert werden. Im Gegenzug handelt der Samariter angebracht, auf dessen Gruppe jedoch eine solche positive charakteristische Beschreibung in der damaligen Zeit nicht zutraf.

Für die Lehrperson ist es wichtig, sich im Voraus mit dem Text auseinanderzusetzen und dies kann mithilfe der Motifemanlyse, einer Methode der semiotisch-kritischen Exegese, geschehen. Durch sie wird ersichtlich, dass der Schwerpunkt der Erzählung auf den Handlungen der Akteure (reaction, non-reaction) und auf die an sie gestellten Erwartungen liegt (Identification: Priester, Levit, Samariter). Der Ablauf des Gleichnisses ist an der Schlüsselstelle wie folgt: Arrival (eine Person tritt auf), Identification (eine Person wird durch ihre Bezeichnung: Priester, Levit, Samariter gekennzeichnet), aufgrund dessen wird eine Reaktion erwartet. Die ersten zwei Personen reagieren nicht (non-reaction) entgegen der Erwartungen, der aufgetretene Lack wird nicht behoben. Die dritte Person (Samariter), an die keine Erwartung gestellt wird reagiert (Reaction). Es kommt zu einem Lack Liquidated.  Die ausführliche Motifemanlyse befindet sich im Anhang.

Wir haben uns bei diesem Thema und der ausgewählten Bibelstelle dazu entschieden, dass die Unterrichtsstunde in einer 10. Klasse stattfinden soll. Aufgrund der von uns geplanten Selbstreflektion (siehe Umsetzung der Stunde) und der Auseinandersetzung mit einer Bibelstelle empfinden wir diese Klassenstufe als passend. Auch ist das Thema in dieser Klassenstufe angebracht und wichtig, da die Schüler sich noch in dem Prozess des „Erwachsenen-Werdens“ befinden und sich mit Fragen wie: „Wie soll ich mich verhalten“, oder „Was soll ich tun“ in dieser Zeit beschäftigen. Auch haben die Schüler in diesem Alter schon Erfahrungen mit dem sozialen Wert „Hilfsbereitschaft“ gemacht und können ihre eigenen Handlungen reflektieren.

Hier wird ersichtlich, dass die geplante Unterrichtsstunde fachliche sowie überfachliche Kompetenzen fördert. Zum einen soll durch die Besprechung des Themas „Hilfsbereitschaft“ die Sozialkompetenz der Schüler erweitert werden. Hier ist besonders Rücksichtnahme auf Andere zu nennen. Auch die personale Kompetenz soll gefördert werden. Die Schüler sollen lernen sich anhand des Themas mit sich selbst auseinanderzusetzen und die eigenen Handlungen zu reflektieren. Die Selbstwahrnehmung spielt also hier eine große Rolle.
In der Bearbeitungsphase der Bibelstelle entwickelt sich die hermeneutische Kompetenz, das Deuten und Verstehen biblischer Texte und ihrer Aussagen. Die Sus stellen hierbei einen Bezug zu ihrem Leben dar und betrachten den vermittelten Inhalt des Textes aus einer realen Perspektive. Sie sprechen über religiöse Fragen und begründen ihre Meinung, akzeptieren aber auch andere Positionen, wodurch  sich im Rahmen des Kommunizieren und Bewerten die Auskunfts- und Dialogfähigkeit bildet, eine Kompetenz, welche für die Sus nicht nur aktuell, sondern immer wichtig ist, sofern sie mit Menschen kommunizieren wollen. Hierdurch erlangen die Sus die Fähigkeit zur Partizipation, die Lernenden betrachten religiöse Handlungsmöglichkeiten und treffen Entscheidungen für ihr Leben vor diesem Hintergrund; sie geben den Entscheidungen eine ethische und moralische Note, sie orientieren sich an dem korrekten Verhalten und möchten dieses in ihren Alltag übertragen.

Wir haben diese Thematik gewählt, weil wir in einer Zeit, in der der Zusammenhalt in der Gesellschaft schwindet, großen Wert auf den sozialen Wert der Hilfsbereitschaft legen möchten.
Oft ist in den Nachrichten zu lesen, wie Mitbürger Opfer eines Verbrechens werden, nicht nur im Privaten, sondern auch im Öffentlichen Raum. Beschämend ist vor allem, wenn dann weiter zu lesen ist, dass Passanten sich von diesem Unrecht abwenden und nicht mal kleinste Dienste (z.B. Verständigung von Polizei) erfüllen. Dies ist in unseren Augen nicht nur unehrenhaft, sondern auch eine unterlassene Hilfeleistung und somit eine Straftat. Eine Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, wie sie mit seinen Schwächsten umgeht. Hilfsbereitschaft ist somit in unseren Augen nicht nur eine gute Tugend, sondern eine Bürgerpflicht! Das Beispiel des barmherzigen Samariters ist deshalb zur Behandlung des Themas eine gute Vorlage, prägnant und für die Mittelstufe auch geeignet. . Die UE soll den Kindern aber auch über die Hilfsbereitschaft hinaus moralische Werte bzw. das soziale Gefüge einer Gesellschaft vermitteln/näher bringen. Dies ist unserer Meinung nach die Kernessenz des Themas “Mensch werden”.

 

In einer Unterrichtseinheit entsprechend dieser Vorstellungen und Planungen, möchten wir die Schüler selbst arbeiten und sich austauschen lassen. Unser Schwerpunkt  liegt zuerst auf der Erarbeitung des geschichtlichen Hintergrundes und anschließend soll die Handlung des Gleichnisses behandelt werden und situationsorientiert besprochen werden. Hierzu nutzen wir die Methode des Gruppenpuzzles, in deren Form das geschichtliche Hintergrundwissen aufgearbeitet werden soll. Die Expertengruppen beschäftigen sich anhand von Texten mit der charakteristischen Darstellung der Leviten, Priester und Samariter. Zur gezielten Herausarbeitung und Wertlegung besonderer Merkmale werden von dem Lehrer Leitfragen und Stichpunkte angegeben, welche garantieren, dass die Schüler trotz selbstständiger Erarbeitung auf dem richtigen Weg bleiben[1]. Diese Informationen teilen sie anschließend ihren Stammgruppen mit, wobei ein angefertigtes Arbeitsblatt zur guten Strukturierung die Ergebnissicherung für jeden gewährleistet. Mit diesem neuen Wissen und den wichtigen Merkmalen auf dem Arbeitsblatt, wird nun eine offizielle Ergebnissicherung im Plenum durchgeführt. Die Besprechung der Merkmale sowie eventuelle Ergänzungen gewährleisten dem Lehrer einen Überblick und auch die Ausgangssituation, dass alle Schüler auf dem gleichen Stand sind um dann den zweiten Teil der Unterrichtseinheit zu beginnen. Hierzu lesen die Stammgruppen das Gleichnis des barmherzigen Samariters unter Bedacht der soeben gewonnen Informationen. Die Leitfrage, ob die Personen entsprechend der Erwartung, welche durch charakteristische Merkmale der Gruppe beeinflusst ist, handeln, steht hier an oberster Stelle. Nachdem die Sus die Bearbeitung und Besprechung in den Stammgruppen durchgeführt haben, verlassen sie die Gruppe und kehren wieder auf ihren Platz ein. Eine kurze Besprechung der Meinungen findet im Plenum statt. Anschließend sollen sich die Sus einen Selbstbezug herleiten, ob ihre Hilfsbereitschaft schon von Nöten  oder gefordert war und ob sie gehandelt beziehungsweise nicht gehandelt haben. Auch eine Begründung für ihr Verhalten soll konstruiert werden. Diesen Teil würden wir in einer Einzelarbeit lassen, da eine tiefgründe, eigene Reflektion stattfinden muss und gerade bei der Erkenntnis von Fehlverhalten in alltäglichen Situationen sind die Schüler meist nicht bereit, direkt über ihre Gefühle zu reden. Dennoch sollte anschließend im Plenum über Situationen des täglichen Lebens gesprochen werden, in denen diese Handlungsbereitschaft in Form der Hilfeleistung und Unterstützung von Außenstehenden geboten wäre, z.B. im Falle von Mobbing oder sogar Gewalt. Hier soll es nicht an Gespräch mangeln, denn solche Situationen sollen zukünftig erkannt und positiv verändert werden. Auf einzelne Erfahrungen muss nicht eingegangen werden, jedoch dürfen die Sus auch bei Bedarf über vergangene Situationen reden.

 

 

 

Anhang

Motivemanalyse (LK 10, 25-37)

 

Vers                                     Motifem

 

25

Information

26

Information, Reaction

27

Order, Answer

28

Order, Answer

29

Reaction, Information

30

Injury, Presence, (Answer)

31

Identification, Lack, Arrival, Nonreaction

32

Identification, Lack, Arrival, Nonreaction

33

Identification, Lack, Liquidated, Arrival, Reaction, Receiving an Adjutant

34

Arrival, Receiving an Adjutant, Translocation, Recue, Reaction

35

Order, Depature

36

Qualifying Test, Order, Glorifying Test, Answer, (Fragestellung)

 

 

 

Zusammenfassung der Bibelstelle

 

Die Bibelstelle bzw. die Geschichte vom barmherzigen Samariter handelt von einem Mann, der auf dem Weg von Jerusalem hinab nach Jericho ist. Unglücklicherweise kreuzen sich seine Wege mit jenen von heimtückischen Banditen, die ihn ausplünderten und schwerverletzt liegen ließen. Während dieser nun angeschlagen und verletzt zu Boden liegt, kommen mehrere Personen an ihm vorbei und machen sich nicht einmal die Mühe, einen Anflug von Hilfsbereitschaft darzulegen. Besonders schockierend an dieser Stelle ist, dass es sich bei den vorbeikommenden Personen um je einen Priester und einen Leviten handelte, also gesetzestreuen Gläubigen, von denen man so etwas eigentlich nicht annehmen kann. Erst ein Samarier, welche damals unter den Juden als fehlgeleitete Abtrünnige galten und geringgeschätzt wurden, war von Nöten, bis dem zu Boden liegenden Mann geholfen werden konnte. Der Samariter erbarmte sich, versorgte die Wunden des Mannes und transportierte ihn zu einer Herberge, wo er den Wirt am folgenden Morgen bezahlte und mit der weiteren Pflege beauftragte, verbunden mit der Zusage seiner Wiederkehr und der Erstattung.


[1] Wer waren Samariter, Leviten, Priester? Wie war ihr Ansehen beim Volk? Welche Erwartungen werden an die Gruppen gestellt? Etc.