Manuela Infante

„Wie würden politische Antworten auf öffentliche Probleme sich verändern, wenn wir die Lebendigkeit nicht menschlicher Körper ernst nähmen? Mit „Lebendigkeit“ meine ich die Fähigkeit von Dingen – Lebensmitteln, Waren, Stürmen, Metallen – nicht nur den Willen und die Gestalt von Menschen zu behindern oder zu blockieren, sondern auch gleichsam als Handelnde oder Kräfte zu agieren, mit eigenen Flugbahnen, Neigungen oder Tendenzen“ (Jane Bennett: „Lebendige Materie“)

Dieses szenische Laboratorium beschäftigte sich mit der Erkundung verschiedener theoretischen Begriffe, die nicht-menschliche Kräfte als tatsächliche Agenten oder „Akteure“ (vgl. Bruno Latours Akteur-Netzwerktheorie) anerkennen. Es ging um Werke, die den handelnden, aktiven Beitrag nicht-menschlicher Kräfte betonen (in der Natur, im menschlichen Körper, in Geschichte, Politik, Wirtschaft etc.) und insofern den Versuch darstellen, den narzisstischen Reflexen der menschlichen Sprache bzw. des menschlichen Denkens etwas entgegenzusetzen. Notwendig war, die Grammatik des Handelns neu zu schreiben, eine Grammatik, die den Menschen Aktivität zuspricht und den Dingen Passivität. „Latour argumentiert ebenso, wenn er anmerkt, dass wir eher zugeben können, dass Menschen auf die Natur einwirken, als dass die Nicht-Humanität auf die Kultur einwirkt; denn letzteres Eingeständnis geht mit der blasphemischen Vorstellung einher, dass Nicht-Menschen – Müll, Bakterien, Stammzellen, Essen, Metall, Technik, das Wetter – eher Handelnde als Objekte sind.” (Bennett)

Kann man den Moment der Unabhängigkeit inszenieren, den Dinge besitzen? Können Objekte lebendige Dinge mit einem gewissen Eigensinn werden?

Manuela Infante, die chilenische Regisseurin, Dramatikerin und Schauspielerin, begründete zusammen mit anderen Absolventen der Theaterabteilung der Universidad de Chile im Jahr 2001 die Gruppe “Teatro de Chile”, deren erste Produktion, ein kritischer Blick auf den chilenischen Nationalhelden Arturo Prat, einen großen Skandal produzierte und zugleich große mediale Aufmerksamkeit erhielt. In den folgenden Jahren entstanden Produktionen, die sich kritisch mit dem Mythos Jean d’Arc, mit dem modernen und postmodernen Subjekt, der Unsichtbarkeit der Macht und dem Effizienzdenken des Leistungssports beschäftigten. Sie wurden auf zahlreiche internationale Festivals eingeladen, mit Preisen bedacht, und die Gruppe gehört heute zu den meistgeförderten Theatergruppen Chiles. In Deutschland wurden erstmals im Jahr 2010 eine Arbeit Infantes gezeigt: Unter dem Titel “Menschen füttern verboten – menschliche Zoos” setzte sie sich in postkolonialer Perspektive mit einem historischen Fall der Verschleppung von Menschen aus Südamerika in deutsche Zoos auseinander. “Don’t feed the Humans” wurde im selben Jahr im Berliner HAU gezeigt.

 

Moles Agitat Mentem

Abschlusspräsentation des szenischen Projekts

„Das Parlament der Dinge“

mit Manuela Infante

Von und mit:
Anna Ildatova,
Carolin Heymann,
Desislava Tsoneva,
Elena Baumeister,
Eun Kyoung Shin,
Isil Sanli,
Jana Maszynski,
Judith Pieper,
Luca Jager,
Simone Georgi,
Timo Cromm,
Ulrike Melsbach.

Wintersemester 2012/13

Jügelhaus, Campus Bockenheim der Goethe Universität Frankfur

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