Mit Gründung des Ulmer Vereins (Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e. V.) wurden ab 1968 Reformbewegungen im Fach angestoßen, die auch von Frankfurt aus vorangetrieben wurden. Dokumentiert ist etwa das Engagement der Frankfurter Fachschaft, die sich an der Organisation eines alternativen Kunsthistorikerkongresses (1972 in Konstanz) beteiligt sowie im gleichen Jahr den Kunsthistorischen Studierendenkongress (KSK) ausrichtet.
Die „Kritischen Berichte“ (→), die ab 1973 erschienen, wurden das publizistisches Zentralorgan des Ulmer Vereins, wobei sie sich namentlich auf eine Tradition beriefen, die mit Kautzsch und Swarzenski auch von Frankfurt aus betrieben wurden. Gemeint sind die „Kritischen Berichte zur Kunstgeschichtlichen Literatur“ (→), die ab 1927 gemeinsam mit Friedrich Antal, Wilhelm Pinder und Karl M. Swoboda herausgegeben, jedoch 1938 wieder eingestellt werden mussten.
Anlass der kritischen Neuausrichtung des Fachs dürfte nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit dem NS gewesen sein, wie sie 1970 auf dem Kongress in Köln u.a. durch Martin Warnke und Berthold Hinz gefordert wurde. Auch in Frankfurt war diese Auseinandersetzung präsent. Der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–65), über den Warnke für die Stuttgarter Zeitung berichtete, oder die Ausstellung „Auschwitz. Bilder und Dokumente“ in der Paulskirche (1963/64) wurden weithin wahrgenommen. Dass zu einer kritischen Reflexion der Kunstgeschichte und ihrer Methoden auch der Blick auf ihre Erkenntnisinstrument gehörte, belegt das 2002 erschienene Heft der „Kritischen Berichte“ zum Thema „Die Bildmedien der Kunstgeschichte“.
Georg Bussmann (Mitte), 1974 im Frankfurter Kunstverein (Foto: Barbara Klemm)
Frankfurter Kunstverein
Georg Bussmann, der als Leiter des Frankfurter Kunstvereins in den 1970er Jahren Lehraufträge am KGI erhielt, verwendete seine Lehrtätigkeit darauf, gemeinsam mit Berthold Hinz und Arbeitsgruppen mit Studierenden des KGI, Ausstellungen zu realisieren. Neben einer Kollwitz-Ausstellung, die 1973 u.a. im Frankfurter Kunstverein stattfand, löste insbesondere die 1974 gezeigte Ausstellung „Kunst im 3. Reich: Dokumente der Unterwerfung“ eine breite Kontroverse aus, die ergänzend zum Ausstellungskatalog in einer eigens erstellten Publikation zusammengetragen wurde. Aus heutiger Sicht besonders innovativ, ist der gezielte und teils konfrontative Einsatz von Text und großformatigen Reproduktionen als zentraler Bestandteil des Ausstellungsdisplays. Hinz, der von 1971 bis 74 am KGI lehrte, tat sich in dieser Zeit als namhafter Forscher zum Nationalsozialismus hervor. Seine Monografie „Die Malerei im deutschen Faschismus. Kunst und Konterevolution“ (München 1974) erschien 1975 in italienischer und 1979 in englischer Übersetzung. 1977 fand im Historischen Museum Frankfurt außerdem die u.a. von Hinz (im Namen des Ulmer Vereins) organisierte Tagung „Faschismus –Kunst und visuelle Medien“ statt.