OpenCourse 2011

Zukunft des Lernens

 

Woche 9 (26. Juni – 3. Juli): Kurz, kürzer, micro: Was macht eigentlich noch satt? Microblogging & Microlearning


I. Überblick:

Vielleicht hat es mit dem Web angefangen, dessen Funktionsweise der Internet-Philosoph David Weinberger vor einigen Jahren als „small pieces, loosely joined“ beschrieb. Dann kam YouTube und schenkte uns kurze Filme in Minutenlänge. Twitter reihte sich ein und machte aus Blogging „Microblogging“. Schnell war vom „Microlearning“ der selbstorganisierten Webnutzer die Rede. Und die Bildungsanbieter? Sie sehen die Zeichen und setzen vermehrt auf „Learning Nuggets“ und „Wissenshäppchen“, um den Gewohnheiten und Vorlieben ihrer Zielgruppen gerecht zu werden.

Doch wie steht es wirklich um das Lernen? Was ist Trend und was Bequemlichkeit? Wo macht es Sinn, von „micro“ zu sprechen, und wo hat „macro“ seinen festen Platz?


II. Lektüre:

Martin Lindner: Interview zu Microlearning, E-Learning Blog, 17. Januar 2011
http://elearningblog.tugraz.at/archives/4150

Jochen Robes: Microlearning und Microtraining, in: Hohenstein, Andreas/Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning, Deutscher Wirtschaftsdienst (Wolters Kluwer Deutschland), Köln, 30. Erg.-Lfg., Oktober 2009 (pdf)
http://www.weiterbildungsblog.de/wp-content/uploads/2009/10/hel30_436_robes.pdf

Jochen Robes: Learning Nuggets – Wunsch und Wirklichkeit, Personalführung, 2/2011
http://www.weiterbildungsblog.de/wp-content/uploads/2011/01/learning-nuggets.pdf

Gabi Reinmann: Bekenntnis zum “macro-learning”, e-Denkarium, 7. Juli 2010
http://gabi-reinmann.de/?p=2131

Michael Kerres: Youtube für die Bildung? Learning Lab, 17. Juni 2009
http://blog.kerres.name/2009/06/youtube-fur-die-bildung.html

Buchem, Ilona / Appelt, Ralf / Kaiser, Sascha / Schön, Sandra / Ebner, Martin:
Blogging und Microblogging. Anwendungsmöglichkeiten im Bildungskontext.
http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/buchem_appelt_kaise_schoen_ebner_blogging/buchem_appelt_kaiser_schoen_ebner_blogging.pdf


III. Online-Event:

Mittwoch, 29.06.2011, 17-18 Uhr
Referent: Dr. Martin Lindner, wissmuth.de

Zugang zum Virtual Classroom (Adobe Connect): https://webconf.vc.dfn.de/opencourse
Zugang via Ustream: http://www.ustream.tv/channel/opco11

Martin Lindner hat hier zur Vorbereitung/ Vertiefung einige Links und Anmerkungen gesammelt:  http://ietherpad.com/microlearning00


IV. Weitere Aktivitäten:

1. Für Kürze steht nicht zuletzt Twitter. Was geht in 140 Zeichen? Überlegen Sie, wie Sie Twitter als Lernwerkzeug in ihren Alltag integrieren können und halten Sie Nutzungsszenarien fest, die für Sie funktionieren.

Es empfiehlt sich, zu diesem Zweck einen eigenen Account in Twitter anzulegen. Entscheiden Sie selbst, ob Sie diesen Account unter ihrem Namen oder einem Nickname führen wollen. Probieren Sie verschiedene Funktionen wie Suche, Listen, Hashtags, usw. aus. Testen Sie z.B. verschiedene Werkzeuge, die Ihnen den Umgang mit Twitter erleichtern, wie z.B. Tweetdeck.

2. Welche neuen Möglichkeiten und Formate von Microlearning fallen Ihnen ein, die man in bestehende Arbeits- und Lernszenarien integrieren könnte? Was haben Sie selbst erlebt oder praktiziert?

Ein Kommentar zu Woche 9 (26. Juni – 3. Juli): Kurz, kürzer, micro: Was macht eigentlich noch satt? Microblogging & Microlearning

  1. Macrolearning vs. Microlearning

    Wie das oft ist mit Begriffen, steht hinter Microlearning und der extra dafür gegründeten Organisation (http://www.microlearning.org/) Marketing.

    Es gibt zahlreiche Artikel und Informationen zum Thema mit für und wider, u.a. wie oben angegeben und im Vortrag von A. Lorenz und des dortigen umfangreichen Quellenverzeichnisses.

    Und doch denke ich, ist auch dieser Versuch eines Ausgleiches zu kurz gegriffen. Ent- oder weder, formell oder informell…

    Ich stehe zugegebenermaßen mit solchen Ausschließlichkeiten auf Kriegsfuß. Seit es bereits Mitte der 1990iger Jahre kluge Menschen gab, die der Meinung waren, dass alle Lernformen des klassischen wie auch des digital-unterstützten Lernens auch in Kombination die tatsächliche Zukunft des Lernens sind. Hybrides Lernen nannte man das damals, hatte in D. keine Chance und wurde auch, als es 2000 über den großen Teich als Blended Learning zurück nach D. schwappte, erst 2007 von den deutschen Marktführern als ein Thema benannt, mit Schöpfungen, die den Begriff nur deshalb verdienten, weil er wie so viele nicht klar definiert ist.

    Nur als Einschub: Blended Learning, um den Begriff hier mal zu verwenden, bedeutet für mich genau das: alles aus den klassischen und neuen onlineuntertützten Lernformen einsetzen zu können, was für die Zielgruppe, das/die Lernziel(e), die Lernsituation möglich und didaktisch sinnvoll ist. Demzufolge ist eLearning nur ein Element von vielen in einem solchen Szenario. Und kommunikativ und collaborative sowieso.

    Die Bedeutung kleinformatiger Contentelemente, und über diese reden wir hier, reicht über die genannten Asekte hinaus. Wer offene Lernszenarien bevorzugt, wird davon ausgehen, dass eine gute didaktische Idee nicht eins zu eins auf jede sich in einem bestimmten Rahmen entwickelnde Situation anwenden lässt, wenn sie nicht eine gewisse flexible Anpassung ermöglicht. Das soll nichts anderes bedeuten, als dass es mir möglich sein muss, die Reihenfolge von – nennen wir es Microcontent oder Knowlegde Pills oder Lernhäppchen – zu ändern. Oder solche bei Bedarf hinzu zu fügen oder wegzulassen. Auch die Aktualisierung solcher Kleincontents ist wesentlich unproblematischer als bei riesigen Contents, die nur als dieser Block gekauft und eingesetzt werden können, ohne die Chance zu haben, aus diesem Monolith Dinge herauszunehmen, die ich einsetzen möchte und andere nicht. Natürlich lassen sich solcherart Elemente auch mobil nutzen und also sowohl innerhalb als auch außerhalb geschützter Lernräume, LMS, LCMS usw. einsetzen.

    Unter dem Aspekt von Lernen im Prozess der Arbeit oder am Arbeitsplatz spielen zum Beispiel auch technologiebedingte für Lernen verfügbare Zeiten eine Rolle. Lernen ist Arbeitszeit als Prinzip einer modernen Unternehmenskultur gibt es leider noch nicht überall, vor allem nicht in den KMU. Die Großen reden nicht mehr darüber, die haben ja auch das Portefeuille mal so kurz 60.000 € für ein einstündiges Flashmodul auszugeben.

    Aber auch Lernen per Internet nach Feierabend wird nach Aussage in einem Vortrag auf einer Tagung (die Quelle hab ich leider nicht mehr verfügbar) sofern man Familie hat, maximal mit einem Zeitaufwand von durchschnittlich 45 Minuten am Tag genutzt. Gleich ob diese Zahl zutrifft oder nicht, wird jedoch klar, dass Lerneinheiten so strukturiert sein sollten, dass sie in bestimmten Zeitabschnitten auch absolvierbar sind. Selbst dann wenn ich nach einer Unterbrechung wieder dort einsteigen kann, wo ich aufgehört habe. Denn dann hab ich das Problem, wie weit muss ich zurückgehen, um den Anschluss wieder zu bekommen, wenn ich mittendrin unterbrechen musste. Wieder ein Plus für Micro egal ob in oder außerhalb eines Kurses.

    Einen Zusammenhang herzustellen, einzelne Sachverhalte in einen größeren komplexen Rahmen eingliedern zu können, muss man allerdings auch erst gelernt haben.

    Kurz und knapp – ja zu micro. Ob allerdings über Twitter gelernt wird oder ob ich da eher interessante Links finde – da bin ich mir ziemlich sicher. Und ich Twittere nicht, weil ich dafür gar keine Zeit habe. Und solange ich moderne onlineunterstütze Lernformen nur als Hobby betreiben kann. Es gäbe noch mehr dazu zu sagen, ich lasse es mal bei meinen 5cent.

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