OpenCourse 2011

Zukunft des Lernens

“Nicht ohne meine Community?” – Naja…

Publiziert am von Andrea Brücken

 

Guten Tag, mein Name ist Marie und ich habe seit kurzem eine Community im Social Web mit 78 Usern, die meine FanPage auf Facebook – auf der ich zum Thema Italienische Küche poste – geliked haben.

Sie haben keine Ahnung, wovon ich rede? – Also nochmal auf Deutsch: mein Name ist Marie und ich nutze eine Plattform im Internet namens “Facebook”, die mir kostenlos Speicherplatz zur Verfügung stellt, damit ich über die italienische Küche schreiben kann. 78 Leute lesen regelmäßig (hoffe ich zumindest), was ich da so schreibe. Manche schreiben auch ein paar Sätze dazu, die dann wiederum von den anderen 77 Leuten gelesen werden.

 

Ungeahnte Möglichkeiten

 

Willkommen in der modernen Welt – das “Social Web” bietet Ihnen ungeahnte Möglichkeiten. Mussten Sie früher noch Zettel mit Word gestalten, ausdrucken, in Ihrem Viertel rumrennen und die an jeden Laternenmast kleben… einen Raum finden oder aber Ihr Wohnzimmer aufräumen, damit Sie zehn Leute bewirten konnten, die sich für Italienische Küche interessieren… Heute ist das so viel einfacher, zeitsparender und Sie erreichen viel mehr Menschen.

Sie setzen sich vor Ihren Computer, legen sich ein Konto bei Facebook zu, klicken ein paar Häkchen an und einige weg, packen ein paar Fotos dazu und los geht es. Und schon haben Sie eine “Community”. Eine Gemeinschaft von Leuten, die sich für das selbe Thema interessiert. Mit denen Sie reden können, die Ihnen zuhören… nur kochen müssen Sie alleine. Sie laden irgendwelche Leute ein, ihre “FanPage” zu besuchen – toll, Fans haben ist ja wirklich in Mode, DSDS ist mir zu blöd, ich kann auch nicht singen oder Feuer spucken. Aber kochen kann ich, zumindest italienisch.

Ich mache das eigentlich, weil ich Zeit habe, weil ich Spass haben will und weil mein Wohnzimmer zu klein ist, um zehn Leute zu beherbergen.

 

Allerdings…

 

So langsam wird es anstrengend. Jeden Tag gucke ich auf die “FanPage” – und es steht  dasselbe da. Nämlich das, was ich als letztes geschrieben habe. Also muss ich mir wieder was Neues überlegen. Ich “poste” ein Rezept oder berichte über ein gutes Restaurant, in dem ich eine tolle Pasta gegessen habe. Dann warte ich.

Meistens melden sich nur Peter, Susanne und Klaus zurück. Die kennen eine andere Rezeptvariante, oder sie haben meinen Vorschlag nachgekocht, oder sie waren in demselben Restaurant. Was die anderen 74 Leute machen, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Und Peter wird neuerdings anstrengend. Er schreibt da immer so Sachen, dass sich zuwenig Leute beteiligen oder auch mal was schreiben. Ob die denn die Seite überhaupt noch lesen würden?

 

Mhm…, mal sehen…

 

Irgendwie hat er ja Recht, insgeheim denke ich das Gleiche. Aber mit seinem Gemecker vertreibt er mir auch die Leute. Heute morgen hatte ich nur noch 69 Fans.

Die Sache macht immer weniger Spass. Aus Oma’s altem Rezeptbuch habe ich jetzt schon fast alles hier eingestellt. Neulich musste ich sogar von chefkoch.de ein Rezept verlinken, weil mir nichts anderes mehr eingefallen ist…

Gemeinschaft ist wirklich so eine komische Sache. In der Realität gibt es ja auch immer Wortführer, die die Anderen motivieren und die Dinge lenken… Das scheint in den sozialen Netzwerken per Internet nicht anders zu sein. “Nicht ohne meine Community”? Ich weiß nicht… muss erstmal sehen, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Löschen kann man die ja immer noch mit wenigen Klicks, ohne große körperliche Betätigung oder Rechtfertigungen zu den Gründen. Vom heimischen Computer aus.

Herzlichst und in Gedanken,

Marie

 

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