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Abbildungen sind in der kunsthistorischen Forschung und Lehre traditionell ein ebenso selbstverständliches wie unerlässliches Instrumentarium; sie können als Handzeichnung, Graphik, Fotografie im Druck auftreten und als (Glas-)Dia oder Digitalisat in der Projektion ‚erscheinen‘. Dass die Abbildung dabei das beforschte und besprochene Werk nur ersetzt bzw. re-produziert, mithin für die Argumentation eigentlich nicht maßgeblich ist (oder sein sollte), scheint ebenso selbstverständlich Konsens zu sein. Seit einigen Jahren nehmen Ansätze einer kunsthistorischen Medienarchäologie nun die Zusammenhänge von Abbildungsmaterial und Ausbildung von Forschungsfragen wie Methoden kritisch in den Blick. Ein oft zitiertes Beispiel hierzu ist das der Doppel-Diaprojektion, zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Heinrich Wölfflin eingeführt und in seinen Vorlesungen zur Visualisierung der antithetisch gedachten „kunsthistorischen Grundbegriffe“ eingesetzt. Dieses Vorgehen hat sich in der Kunstgeschichte nachhaltig etabliert, Sehweisen und Argumentationsstrukturen bis heute geprägt.
Das Seminar ist als ein Forschungsprojekt angelegt, in dem Studierende, Lehrende und externe Experten gemeinsam und in Einzelanalysen eben diese o.g. „kunsthistorische Medienarchäologie“ betreiben. Die Geschichte der Abbildung soll bis in die Gegenwart fortgeführt werden, indem der Umgang kunsthistorischer Institutionen mit den Möglichkeiten digitaler Bilder thematisiert wird.

Einige leitende Fragestellungen für die exemplarischen Analysen und Diskussionen im Seminar sind:

  • Wie kommt das Bild in den Text? Zur Geschichte und zu den technischen Grundlagen der Abbildung in kunsthistorischer Fachliteratur
  • Schwarz-weiß und die Folgen: Argumentiert die Forschung mit dem Werk oder mit der Abbildung?
  • Gibt es ein Ordnungssystem der Abbildungen? Welche Bilder/Abbildungen werden gesammelt und wie werden sie für die Wissenschaft verfügbar gemacht? Welche Ordnungsstrukturen schuf die Kunstgeschichte, um das Material zu erschließen? (Spektrum und Ursachen sollen mit Blick auf die sich ständig verändernde Medienlandschaft bis in die Gegenwart erweitert werden.)
  • Warum alle die gleichen Abbildungen kennen (oder auch nicht): Wie entsteht ein kunsthistorischer Bilder-Kanon?

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