Kommentar zu Wolfgang Ullrichs Vortrag „Das Kunstmuseum der Zukunft – eine Kreativitätsagentur?“

Am 27. November 2015 fand das Symposium „Grenzen des Wachstums – Die Zukunft des Kunstmuseums“ statt. Dort hielt Wolfgang Ullrich einen Vortrag mit dem Titel „Das Kunstmuseum der Zukunft – eine Kreativitätsagentur?“. Er spricht von einem Paradigmenwechsel im Bereich des Museums und beschreibt zwei daraus folgende Aufgabengebiete: „Gibt es dann im einen Fall das Museum, das sich als Ort begreift, an dem historisches Bewusstsein wachgehalten und geschärft wird sowie die Bestände intensiv gepflegt und vielfältig aufbereitet und bearbeitet werden, so im anderen Fall das Museum, das sich als Institution mit primär sozialpolitischem Auftrag begreift, an den Interessen möglichst vieler verschiedener Menschen orientiert ist und die Kunst als Anlass und Ausgangspunkt begreift, um Projekte zu initiieren, Communities zu stiften, kreative Fähigkeiten zu üben, Gegenpol zu den Orten zu sein, an denen die Menschen sich belastet fühlen.“

Diese zwei Bereiche, einerseits die Pflege der Bestände für ein gesellschaftliches Verhältnis der Geschichte sowie andererseits eine sozialgesellschaftliche Verantwortung, die Kreativität zu fördern, ordnet Ullrich in unterschiedlichem Maße dem Museum und dem Ausstellungshaus zu. „So liegt es nahe, dass Museen sich weiter vor allem ihren Beständen verpflichtet fühlen, während Ausstellungshäuser ihren Ehrgeiz auf die Konzeption von Formaten konzentrieren, die das Publikum zu diversen Aktionen animieren.“

Die Position Ullrichs reagiert auf die zunehmende Publikumsanimation der Museen und die Verwischung der Unterschiede von Museum und Ausstellungshaus. Seine Lösung scheint jedoch das Museum in das tradierte Aufgabenfeld zu drängen und nur dem Ausstellungshaus die Möglichkeit der „Kreativitätsagentur“ zu eröffnen. Die Fokussierung des Museums auf seine Bestände scheint mir jedoch als ein auf-der-Stelle-treten. Kunst trägt die Möglichkeit der Lehre in sich und es ist deshalb wichtig, dass das Museum sich zum Betrachter hin öffnet. Gerade die Interaktion ist entscheidend, damit das Museum nicht zu einem Archiv in schönen Räumen wird. So fällt meiner Meinung nach auch dem Museum die Aufgabe der Kreativitätsagentur zu. Die Unterscheidung zum Ausstellungshaus liegt für mich in der Möglichkeit des Museums auf eine Sammlung zurückgreifen zu können, deren Werke man beispielsweise in Ausstellungen mit einflechten kann.

https://ideenfreiheit.files.wordpress.com/2015/12/das-kunstmuseum-der-zukunft-e28093-eine-kreativitc3a4tsagentur.pdf

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