Romain Jobez – „Der Schauspieler“

Anmerkungen über einen unbekannten Akteur der Aufklärung

Veranstaltung vom 13. Mai 2014


Aus unserem Programm:

Literaturgeschichtliche Darstellungen des 18. Jahrhunderts schreiben dem Theater eine positive Rolle bei der Herausbildung eines bürgerlichen Bewusstseins zu. Dabei übersehen sie oft den Beitrag der Schauspieler zur Bewegung der Aufklärung. Bestenfalls werden sie als passive Nutznießer der Bühnenreform betrachtet, insofern sie aufgrund der Verbürgerlichung des Theaters neue gesellschaftliche Anerkennung finden. Allerdings übersieht eine solche Sicht auf die Theatergeschichte, dass die Schauspieler außerhalb der Bühne von der Gesellschaft noch weitgehend als Ehrlose betrachtet werden. Anhand von Beispielen aus Schauspielermemoiren und Theaterstücken will der Beitrag zeigen, dass die Schauspieler im 18. Jahrhundert nicht lediglich die Vermittler einer bürgerlichen Identität sind, sondern fernab einer idealistischen Subjektauffassung ihre eigene Identität entwickeln – und vielleicht zu den einzigen Bürgern im Sinne der Aufklärung werden.

Romain Jobez lehrt seit 2004 Theaterwissenschaft an der Universität Poitiers. 2001 bis 2004 war er Stipendiat am Graduiertenkolleg „Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung“ der Goethe-Universität Frankfurt, wo er mit einer Arbeit zum barocken Trauerspiel promoviert wurde. 2009 bis 2011 forschte er als Fellow der Humboldt-Stiftung am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bochum.

Zahlreiche Publikationen, u.a.:

zur deutschen und französischen Theatergeschichte (Frühe Neuzeit, Aufklärung), u.a.: Tragédies et récits de martyres en France (fin XVIe – début XVIIe siècle), (Mit-Hg. 2009); Le théâtre français du XVIIe siècle (Mit-Hg.  2009); Le théâtre baroque allemand et français.Le droit dans la littérature (2010).

Eine Veranstaltung der Professur für Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main.