Archiv der Kategorie: Jour Fixe

Zu ihrem Jour Fixe lädt die Theaterwissenschaft der Goethe-Universität regelmäßig Gäste aus der Theaterpraxis, -forschung und Kulturpolitik ein, die ihre Arbeit und aktuellen Projekte vorstellen und mit Studierenden und Lehrenden des Instituts und der anderen Studiengänge der Hessischen Theaterakademie diskutieren.

Etchells, Tim – Jour Fixe

Freitag 4. Mai 2018

Tim Etchells ist Künstler, Regisseur und Schriftsteller, Mitbegründer der Gruppe Forced Entertainment und seit deren Gründung im Jahr 1984 ihr Kopf. Er arbeitet in den Bereichen Text, Photographie, Video, Performance, Installation und digitale Medien. Seine Arbeit und die der Gruppe Forced Entertainment wurde weltweit gezeigt und mit unzähligen Preisen ausgezeichnet. Am 4. Mai 2018, eine gute Woche nach der Premiere der vom Schauspiel Frankfurt und dem Künstlerhaus Mousonturm koproduzierten Arbeit „Out of Order“ erzählte Etchells im Jour fixe der Theaterwissenschaft auf der Probebühne des Instituts für TFM über die Anfänge und Entwicklung der Gruppe Forced Entertainment, deren Arbeitsmethoden und die konkrete Produktion „Out of Order“. Das Gespräch mit ihm führten Nikolaus Müller-Schöll und die Studierenden des Instituts.

Schlewitt, Carena und Schallenberg, André – Jour Fixe

MITTWOCH, 29. JANUAR 2020, 19 UHR

Seit 2018 leitet Carena Schlewitt das europäische Zentrum für Künste HELLERAU (Dresden) mit André Schallenberg als Dramaturg für Tanz und Theater. Hellerau ist seit den 1910er- Jahren ein Ort des Experiments: Hier schufen 1912/13 der Bühnenbildner Adolphe Appia und der Lichtkünstler Alexander von Salzmann den Prototyp einer neuen, offenen Theaterbühne für das 20. Jahrhundert. Carena Schlewitts Programm ist, dass das Haus nicht nur Showcase sein soll, sondern vielmehr Produktions- und Arbeitsort für Künstler*innen, Labor und Experimentierhaus. Doch das Haus und sein Programm stehen unter massivem Beschuss durch die AfD-Fraktion in Dresden. Sie glaubt, dass dieses Haus die Kunst zum „Protagonisten linker Randgruppen“ mache und will es in eine Vermietungsimmobilie umwandeln. Was heißt es, unter solchen Bedingungen an Öffnung und Experiment festzuhalten? Darüber werden wir mit Schlewitt und Schallenberg sprechen.

Carena Schlewitt arbeitete an der Akademie der Künste der DDR, in Produktionshäusern wie Podewil Berlin, FFT Düsseldorf, HAU Berlin und Kaserne Basel und ist seit 2018 Intendantin in Hellerau. André Schallenberg arbeitete nach dem Studium in Jena und Gießen (ATW) als freier Künstler, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter des Produktionsbüros der Ruhrtriennale. 2018 war er bei PACT Zollverein u.a. verantwortlich für die Tanzplattform Deutschland. Seit 2018 ist er Programmleiter für Theater und Tanz in Hellerau.

Mundel, Barbara – Jour Fixe

27. November 2019, 19 Uhr 

Wie wenige andere hat Barbara Mundel in den vergangenen Jahrzehnten das Nachdenken über die Zukunft des Stadttheaters, dessen Funktionieren, dessen Probleme und deren Lösung befördert: Als Intendantin des Theaters Freiburg hat sie kontinuierlich an der Reform und Öffnung dieser Institution gearbeitet, u.a. mit einer in zwei Büchern dokumentierten Suche nach dem „Stadttheater der Zukunft“. Im Herbst 2020 wird sie neue Intendantin der Münchner Kammerspiele. Dieses Theater hat sich in den vergangenen Jahren an der Neudefinition dessen versucht, was heute ein Stadttheater sein könnte: Integration eines Produktionshaus ins Ensemble- und Repertoire-Theater, Öffnung des Hauses in die Stadt, Diversifizierung, Internationalisierung, Integration von Künstler*innen ins Ensemble, die über andere als die klassischen Qualifikationen verfügen. Nach starker Anfeindung zu Beginn ist das Haus nun, kurz vor dem Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal, von Theater Heute zum Theater des Jahres gekürt worden. Wie wird Barbara Mundel mit der schwierigen Aufgabe umgehen, ein solches Haus an diesem Punkt zu übernehmen? Wie steht sie heute zu den Fragen, die unter dem Vorzeichen der „Krise des Stadttheaters“ in den vergangenen Jahren diskutiert wurden? Barbara Mundel arbeitet seit den 80er Jahren als Dramaturgin, u.a. am Theater Basel, an der Volksbühne Berlin, an den Münchner Kammerspielen und bei der Ruhrtriennale. Von 2006 bis 2017 war sie Intendantin am Theater Freiburg.

Liepsch, Elisa; Warner, Julian – Jour Fixe

Im April 2018 eröffneten Elisa Liepsch und Julian Warner (Künstlerhaus Mousonturm // HAUPTAKTION) gemeinsam ihr Performance- und Diskursprogramm im*possible bodies am Künstlerhaus Mousonturm. Bei diesem ?Festival für utopische Praxis? gingen sie Fragen nach eingeschriebenen, kuratorischen und theatralen, kolonialen Praxen nach; untersuchten Machtasymmetrien auf der Bühne und innerhalb der Institution des Mousonturms und setzten sich über die Frage nach dem ‚Wir‘ auseinander. Hierbei entwickelten sie Ideen und Praktiken, für eine Institution der Zukunft, die Teilhabe, Kollaboration, Ermächtigung, Ästhetik, Repräsentation und Kritik für alle ermöglicht. Ausgehend hiervon publizierten sie das in diesem Jahr erschienene Buch ?Allianzen. Kritische Praxis an weißen Institutionen? (transcript, 2018). Im Januar 2019 wird ihr Diskursprogramm in die zweite Runde gehen, bei dem theoretische Überlegungen und Recherchen in die Praxis überführt und am Beispiel des Mousonturms die Idee einer anderen Institution modellhaft umgesetzt werden sollen.

Kennedy, Susanne – Jour Fixe

01. November 2017, 19 Uhr
Jour fixe mit der Regisseurin Susanne Kennedy

Probebühne der Theaterwissenschaft, Campus Bockenheim

Susanne Kennedy gilt als Shooting Star im deutschsprachigen Sprechtheater der vergangenen Jahre. Mit einer außergewöhnlichen Ästhetik, zu der Masken, Play-Back-Dialoge, Doppelgänger und der experimentelle Einsatz audiovisueller Medien gehören, verändert sie radikal das Kräfteverhältnis zwischen Körpern, technischen Objekten und Maschinen in der Darstellung. Ihre Arbeiten wurden u.a. an der Volksbühne Berlin und den Münchner Kammerspielen gezeigt. Im Jour fixe sprach sie über ihren Werdegang, ihre Probenarbeit, die Rolle von Frauen im Theater und auf der Bühne und Aspekte ihrer Ästhetik.

Nikitin, Boris – Jour Fixe

29. November 2017, 19 Uhr
Jour fixe mit Boris Nikitin

Probebühne der Theaterwissenschaft, Campus Bockenheim

Boris Nikitin ist Theaterautor und -regisseur, Bühnenbildner, Installationskünstler und Leiter des Basler Festivals »It’s the real thing – Basler Dokumentartage«. Die meisten seiner künstlerischen Arbeiten drehen sich um die Konstruktion, Darstellung und Verdoppelung von Realität und Identität. Dabei verschiebt er die Grenzen zwischen Performance und Theater, Illusion und Dokumentarischem, offensivem Dilettantismus und schauspielerischer Virtuosität. Viele seiner Projekte spielen mit ihrer Rahmung.
Das von ihm geschriebene und inszenierte Stück, »Martin Luther Propagandastück«, wurde im März 2016 im HAU im Rahmen des Festivals „Heiner Müller!“ uraufgeführt und zum Festival »Impulse« eingeladen. In der Spielzeit 2016/17 gastierte die Produktion u.a. am Thalia Theater Hamburg. Sein Projekt „Hamlet“ mit Julia*n Meding war bisher u.a. in Basel, Paris, Athen, Mülheim, Lausanne, Madrid und Bern zu sehen, kam im Rahmen des Kongresses „Theater als Kritik“ 2016 in Frankfurt zur deutschen Erstaufführung und wurde seither an zahlreichen weiteren internationalen Stationen gezeigt. Im Jour fixe erläutert Nikitin den Studierenden der Dramaturgie und Theaterwissenschaft seine Herangehensweise an das Theater, seine Arbeit mit Schauspieler*innen und sein Konzept eines „Theaters der Verwundbarkeit“.

Hegemann, Carl – Jour Fixe

Wie kein anderes Thema bewegte die Theaterwelt in der vergangenen Spielzeit der bevorstehende Intendantenwechsel an der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz in Berlin. Nachdem beim Jour fixe im Februar 2016 Marietta Piekenbrock die Perspektiven des Hauses unter dem neuen Intendanten Chris Dercon dargestellt hat, wird nun einer der schärfsten Kritiker der Neubesetzung, Carl Hegemann, beim Jour fixe zu Gast sein. Er ist Chefdramaturg des Hauses und prägte sein intellektuelles Profil wie sein Programm über mehrere Jahre hinweg maßgeblich mit.

Carl Hegemann studierte Philosophie, Gesellschafts- und Literaturwissenschaften in Frankfurt am Main, wo er 1979 mit einer Arbeit über Johann Gottlieb Fichte und Karl Marx promoviert wurde. Er war Dramaturg bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen (1988–89), am Stadttheater in Freiburg (1989–92), am Schauspielhaus Bochum (1995–96), am Berliner Ensemble (1996–98) und an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz (1992–95, 1998–2006 und seit 2015) und am Thalia Theater Hamburg (2011-15). Bis zu seiner Emeritierung leitete er als Professor für Dramaturgie den Dramaturgiestudiengang an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Als Dramaturg arbeitete u.a. mit Heiner Müller, Christoph Schlingensief und René Pollesch zusammen.

Beim Jour Fixe soll in offener Runde bei Brezeln, Wein und Wasser mit ihm über seinen Werdegang, seine Arbeit an den verschiedenen Theatern und natürlich über den bevorstehenden Umbruch an der Volksbühne gesprochen werden.

Le Roy, Xavier – Jour Fixe

Xavier Le Roy ist einer der herausragenden Künstler auf den Gebieten des Tanzes und der Chroeographie der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte. Mit Arbeiten wie „Self unfinished“, „Product of Circumstances“, „Le Sacre du Printemps“ und „Low Pieces“, aber auch mit der performativen Ausstellung „Retrospective“ und den damit verbundenen grunderschütternden Fragen an Tanz und Ballett hat er Tanz- und Choreographie-Geschichte geschrieben. Jetzt arbeitet er mit Tiziano Manca und Christophe Wavelet unter dem Label „Issho Ni Ensemble“ an dem Stück „Haben Sie modern gesagt?“, das Ende Januar im Rahmen des Festivals „Frankfurter Positionen“ im Frankfurt Lab uraufgeführt werden wird. In einem Jour fixe extra stellt er seine Arbeit vor und diskutiert sie mit Studierenden und Gästen.

Der gebürtige Franzose Le Roy wurde in Molekularbiologie an der Universität Montpellier promoviert und arbeitet seit 1991 als Tänzer und Choreograf mit unterschiedlichen Kompanien und Choreografen zusammen. Von 1996 bis 2003 war er Artist-in-Residence im Podewil Berlin. 2007/08 war er Associated Artist am Centre Chorégraphique National de Montpellier, 2010 Artist-in-Residence fellow des MIT Program in Art-Culture and Technology in Cambridge (USA). 2013-2015 war er Artist-in-Residence am Théâtre de la Cité Universitaire in Paris (2013-15).