Archiv der Kategorie: HTA-RVL

Cathy Turner (Exeter): Colliding logics of architecture and performance.

2018 setzt sich die Hessische Theaterakademie im Rahmen einer Ringvorlesung mit grundlegenden Fragen nach der städtebaulichen sowie damit einhergehend der gesellschaftlichen Position des Stadttheaters auseinander. Dazu lädt sie hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Architektur, Theater, Urbanistik, Wissenschaft und Politik ein. Welche Zeitlichkeit, Rhythmisierung und Erzählung sind mit Theaterarchitekturen verbunden? Welche Widerstände und Möglichkeiten ergeben sich aus den materiellen Strukturen? Dies soll in den verschiedenen Beiträgen konkret am aktuell diskutierten Beispiel der städtischen Bühnen, aber darüber hinaus auch allgemein in vergleichender Perspektive mit Blick auf neuere und ältere Bühnenformen untersucht und diskutiert werden.

Leonardo Moreira – Producing „fiction“

Veranstaltung vom 19. Mai 2015

Aus unserem Programm:

Der Autor und Regisseur Leonardo Moreira gehört zu den vielversprechendsten und talentiertesten Künstlern Brasiliens. In São Paulo gründete er die Companhia Hiato, mit der er viele preisgekrönte Bühennarbeiten geschaffen hat und auf internationalen Festivals vertreten ist. Bei Theater der Welt in Mannheim zeigte er seine fünfstündige Arbeit Fiktion, in der Schauspieler in Monologen sehr ehrlich aus ihrem Leben erzählen, vom Erwachsenenwerden, von Verletzlichkeit, Emanzipation und Künstler-Comingout im brasilianischen Melting Pot der familiären Traditionen und kulturellen Herkünfte.

Moreira wird über die Arbeit an seinen neuesten Produktionen „Ficção“ (Fiktion) und „O Jardim“ (Der Garten) sprechen, die vom 20.-23. Mai im Künstlerhaus Mousonturm und im FrankfurtLab zu sehen sind.

Fiacção (Fiktion) ist ein Theatermarathon, in dem die einzelnen Schauspielerinnen der Companhia Hiato in jeweils einstündigen Monologen aus ihren bisherigen Leben erzählen. Auf höchst erstaunliche, berührende und virtuose Weise durchdringen und überlagern sich dabei die einzelnen Performances und ihre Erzählweise. Monolog für Monolog verdichten sich die offenen Selbstbetrachtungen mit all ihren inneren Widersprüchlichkeiten zu einem komplexen, ergreifenden und in vielen Momenten atemberaubenden Bild vom Leben in der hyperpostmigrantischen Megametropole São Paulo.

O Jardim (Der Garten) ist eine Zeitreise, ein meisterhaftes Zauberstück des Perspektivismus, in dem familiäre Erinnerungen und private Sehnsüchte auf gesellschaftliche Fehlannahmen und versteckte historische Zusammenhänge stoßen. Es sind Familiengeschichten, Bruchstücke und Erinnerungsfetzen quer durch die Zeiten, sozialen Schichten und kulturellen Hintergründe, nichtlinear erzählt in den Momenten des Umbruchs und des Übergangs, der Abschiede und Aufbrüche, des Verlassen-, Verdrängt- und Vertriebenwerdens.

 

Mieke Matzke – „Das Theater auf die Probe stellen“

Veranstaltung vom 28. April 2015

Aus unserem Programm:

Zahlreiche Arbeitsformen des Gegenwartstheaters zeichnen sich durch kollektive Probenformen aus, die der traditionellen Unterscheidung von Dramatiker, Regisseurin und Schauspieler arbeiten. In den Proben von Regiekollektiven wie Rimini Protokoll oder Performancegruppen wie Gob Squad ist mehr der dramatische Text sondern ein Konzept Ausgangspunkt, andere Formen der Textgenese und Raumkonzeption werden so
hervorgebracht. Anhand meiner Erfahrungen in der Probenarbeit zu der Inszenierung /Testament /der Gruppe She She Pop wie auch der Analyse historischer und gegenwärtiger Probenformen, zeigt der Vortrag, wie im Gegenwartstheater die Probe selbst zu einer Reflexion der theatralen Praxis wird.

Annemarie Matzke studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und promovierte am Institut für Medien- und Theaterwissenschaft der Universität Hildesheim. 2009 Habilitation an der Freien Universität Berlin mit einer Schrift zum Thema ?Arbeit am Theater. Eine Diskursgeschichte der Probe?. Seit Oktober 2009 hat sie eine
Professur für Experimentelle Formen des Gegenwartstheaters an der Stiftung Universität Hildesheim inne. Ihre Forschungsgebiete sind u.a. Geschichte und Theorie der Theaterprobe und Produktionsweisen des
Gegenwartstheaters.

Das Performancekollektiv She She Pop, dessen Mitglied Mieke Matzke seit 1994 ist, sieht sein ästhetisches und ideologisches Profil im kollektiven Arbeiten. Es gibt keine Regisseurin ? aber auch keinen Autor und keine Schauspieler. Texte und Konzepte werden gemeinsam entwickelt. Zugleich steht die künstlerische Verantwortung der
einzelnen Performerin im Zentrum. Insofern ist Autorschaft weniger eine individuelle Leistung, eher die Antwort auf eine Frage: Wer kann diesen Text, diese Handlung jetzt auf der Bühne verantworten. Vor diesem Hintergrund werden individuelle Entscheidungen sowie Glanz und Scheitern auf der Bühne nachvollziehbar und thematisch.