Archiv des Autors: cesar

Eröffnung des 13. Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft

→ Boris Rhein (Hessian Minister of Higher Education, Research and the Arts) → Birgitta Wolff (President of Goethe University)
→ Hessian Theater Academy
→  Gerald Siegmund (President of the Society for Theater Studies)
→  Nikolaus Müller-Schöll (Professor of Theater and Performance Studies, Goethe University)

Der 13. Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft lädt unter dem Titel „Theater als Kritik“ vom 3. – 6. November dazu ein, Theater als eine kritische Praktik im doppelten Sinne zu untersuchen: Vor dem Hintergrund der Krise klassischer Begründungen des Theaters wie der Kritik sollen deren Geschichte, Theorie und Fragen neu beleuchtet werden. Nicht also die Gegenstände der Kritik des Theaters stehen zur Debatte, sondern vielmehr diese Kritik selbst. Plenarvorträge von Shannon Jackson (Berkeley), Christoph Menke (Frankfurt) und Werner Hamacher (Frankfurt) sowie rund 200 Einzel-Vorträge in über 60 Panels werden dabei durch ein künstlerisches Programm von Studierenden der Hessischen Theaterakademie (HTA) und einer Aufführung von Boris Nikitins „Hamlet“ ergänzt.

Besonders freuen wir uns über die weitere Internationalisierung des Kongresses – etwa ein Viertel der Teilnehmenden kommt von Instituten außerhalb Deutschlands, Österreichs oder der Schweiz. Erstmals werden durchgängig englischsprachige Panels angeboten und die Plenarvorträge mit einer englischen Übersetzung übertitelt.

Werner Hamacher: Das eine Kriterium für das, was geschieht

Keynote beim 13. Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft, Frankfurt, 4. 11. 2016

Der 13. Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft lud unter dem Titel „Theater als Kritik“ dazu ein, Theater als eine kritische Praktik im doppelten Sinne zu untersuchen: Vor dem Hintergrund der Krise klassischer Begründungen des Theaters wie der Kritik sollten deren Geschichte, Theorie und Fragen neu beleuchtet werden. Nicht also die Gegenstände der Kritik des Theaters standen zur Debatte, sondern vielmehr diese Kritik selbst. Die zweite von drei Keynotes hielt dabei der Frankfurter Literaturwissenschaftler und Philosoph Prof. Dr. Werner Hamacher.

Abstract:

The one criterion for what happens

The fact that everybody can criticize and that they can criticize everything does not mean that their criticism is justified; even less does it mean that it is it founded in principles of justice. As a controversial utterance, criticism itself is subject to criticism and must be prepared to engender anti-criticisms and anti-anti-criticisms in an interminable process. The critical stance therefore is characterized by not having found any general consensus, by being unable to assert a universal principle and by not being secured by any community, but still demanding consensus, laying claim to principles and being in search of a commonality that it will not attain as long as there remains occasion to criticize. Whether it is expressed in actions or assertions, in refusals, lamentations or invectives, criticism remains partisan, it remains partial and, because of its partiality, cannot even substantiate its claim to being part of the whole that it demands for the future. In short, criticism is, in a strict sense, without a binding criterion. It wages a struggle for universal criteria of cognition knowledge and action, but does not establish them on its own. Since European antiquity, art (téchne and ars) has been understood as a form of discovering and appropriating the world and therefore as structurally dramatic. Therefore, the struggle for generalizable criteria of action and knowledge has been able to condense in what, since Aristotle, has been defined as drama. Up until the most recent period of modernity, this struggle consistently resulted in a criterion that, in this drama, was staged as a necessary yet necessarily misleading “theater” – as a fake, feint, or trick –  and thus as both eminently criticizable and uncriticizable. However, because this fake can neither be simply empirical, nor a transcendental bluff or a dialectical ruse, the criterion of dramatic action – and fiction – must be rethought. The shortest formula of the one criterion for what happens could well be: N’one.

Keynote: Shannon Jackson – Context as Critique

Under the heading “Theatre as Critique”, the organisers of the 13th Congress of the Society for Theatre Studies invite researchers to examine theatre as a critical practice. With the crisis of the classical groundings of both theatre and critique in mind, the congress aims at a reconsideration of, on the one hand, the history, theory and issues of theatre and, on the other, the concept of critique. At the heart of the debate, therefore, is not just the subject matter of theatre critique but rather critique itself. Plenary speeches and shorter contributions on 8 different subject areas will be complemented by performative formats, visits to the theatre, talks and scenic contributions from students of the Hessian Theatre Academy (HTA).

Noa Winter: Cripping time – Disability, Theatre, and Identity Politics

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des MA Dramaturgie und der Neugründung von dessen internationalem Pendant ?Comparative Dramaturgy and Performance Research? veranstaltet die Theaterwissenschaft der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem Hölderlin-Gastprofessor Khalid Amine sowie mit den kooperierenden Partner-Instituten des neuen Studiengangs vom 8.-10. Februar 2018 eine Master Class zum Thema ?Theatre and Identity Politics?. In diesem Rahmen soll über Berechtigung und Grenzen der Repräsentation minoritärer oder von Diskriminierung betroffener Gruppen in Theater, Performance Art, Installationskunst und Bildender Kunst diskutiert werden. Dabei sollen speziell Fragen aus dem Umfeld der Postcolonial Studies, der Critical Whitenessforschung sowie der Gender und Queer Studies angesprochen werden.

Den Auftakt bildet die Lecture Performance ?Do I Know You?? von Lina Majdalanie(18 Uhr) sowie eine Podiumsdiskussion mit den Künstlerinnen Anta Helena Recke, Sahar Rahimi (Monster Truck) und Nora Amin (19 Uhr) am 8. Februar im Künstlerhaus Mousonturm, gefolgt von einem Empfang zur Feier des Jubiläums um 20.30 Uhr ebendort. Der Freitag startet dann mit einem Künstlergespräch mit Lina Majdalanie (10 Uhr) im I.G.-Farben-Haus der Goethe Universität. Im Verlauf der folgenden eineinhalb Tage der Master Class halten Masterstudierende und Doktorand*innen der Theaterwissenschaft und Dramaturgie Impulsvorträge, die im Kreis der Teilnehmenden diskutiert werden. Eine Diskussion mit Lina Majdalanie zu ihren Arbeiten (Freitag, 10-11 Uhr), ein Vortrag von Miriam Dreysse (Samstag, 10-11 Uhr) und eine Sum-Up-Runde mit den internationalen Wissenschaftlerinnen
Katariina Numminen (Finnland), Khalid Amine (Marokko), Miriam Dreysse (DE) und Christophe Triau (Frankreich, angefragt) runden das Programm ab.

Miriam Dreysse: White Skin and Black Makeup. Interrelations between Race and Gender in German Theatre

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des MA Dramaturgie und der Neugründung von dessen internationalem Pendant ?Comparative Dramaturgy and Performance Research? veranstaltet die Theaterwissenschaft der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem Hölderlin-Gastprofessor Khalid Amine sowie mit den kooperierenden Partner-Instituten des neuen Studiengangs vom 8.-10. Februar 2018 eine Master Class zum Thema ?Theatre and Identity Politics?. In diesem Rahmen soll über Berechtigung und Grenzen der Repräsentation minoritärer oder von Diskriminierung betroffener Gruppen in Theater, Performance Art, Installationskunst und Bildender Kunst diskutiert werden. Dabei sollen speziell Fragen aus dem Umfeld der Postcolonial Studies, der Critical Whitenessforschung sowie der Gender und Queer Studies angesprochen werden.

Den Auftakt bildet die Lecture Performance ?Do I Know You?? von Lina Majdalanie(18 Uhr) sowie eine Podiumsdiskussion mit den Künstlerinnen Anta Helena Recke, Sahar Rahimi (Monster Truck) und Nora Amin (19 Uhr) am 8. Februar im Künstlerhaus Mousonturm, gefolgt von einem Empfang zur Feier des Jubiläums um 20.30 Uhr ebendort. Der Freitag startet dann mit einem Künstlergespräch mit Lina Majdalanie (10 Uhr) im I.G.-Farben-Haus der Goethe Universität. Im Verlauf der folgenden eineinhalb Tage der Master Class halten Masterstudierende und Doktorand*innen der Theaterwissenschaft und Dramaturgie Impulsvorträge, die im Kreis der Teilnehmenden diskutiert werden. Eine Diskussion mit Lina Majdalanie zu ihren Arbeiten (Freitag, 10-11 Uhr), ein Vortrag von Miriam Dreysse (Samstag, 10-11 Uhr) und eine Sum-Up-Runde mit den internationalen Wissenschaftlerinnen
Katariina Numminen (Finnland), Khalid Amine (Marokko), Miriam Dreysse (DE) und Christophe Triau (Frankreich, angefragt) runden das Programm ab.

Auftaktveranstaltung Theatre and Identity Politics: Podiumsdiskussion

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des MA Dramaturgie und der Neugründung von dessen internationalem Pendant ?Comparative Dramaturgy and Performance Research? veranstaltet die Theaterwissenschaft der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem Hölderlin-Gastprofessor Khalid Amine sowie mit den kooperierenden Partner-Instituten des neuen Studiengangs vom 8.-10. Februar 2018 eine Master Class zum Thema ?Theatre and Identity Politics?. In diesem Rahmen soll über Berechtigung und Grenzen der Repräsentation minoritärer oder von Diskriminierung betroffener Gruppen in Theater, Performance Art, Installationskunst und Bildender Kunst diskutiert werden. Dabei sollen speziell Fragen aus dem Umfeld der Postcolonial Studies, der Critical Whitenessforschung sowie der Gender und Queer Studies angesprochen werden.

Den Auftakt bildet die Lecture Performance ?Do I Know You?? von Lina Majdalanie(18 Uhr) sowie eine Podiumsdiskussion mit den Künstlerinnen Anta Helena Recke, Sahar Rahimi (Monster Truck) und Nora Amin (19 Uhr) am 8. Februar im Künstlerhaus Mousonturm, gefolgt von einem Empfang zur Feier des Jubiläums um 20.30 Uhr ebendort. Der Freitag startet dann mit einem Künstlergespräch mit Lina Majdalanie (10 Uhr) im I.G.-Farben-Haus der Goethe Universität. Im Verlauf der folgenden eineinhalb Tage der Master Class halten Masterstudierende und Doktorand*innen der Theaterwissenschaft und Dramaturgie Impulsvorträge, die im Kreis der Teilnehmenden diskutiert werden. Eine Diskussion mit Lina Majdalanie zu ihren Arbeiten (Freitag, 10-11 Uhr), ein Vortrag von Miriam Dreysse (Samstag, 10-11 Uhr) und eine Sum-Up-Runde mit den internationalen Wissenschaftlerinnen
Katariina Numminen (Finnland), Khalid Amine (Marokko), Miriam Dreysse (DE) und Christophe Triau (Frankreich, angefragt) runden das Programm ab.

Jour Fixe mit Elisa Liepsch und Julian Warner

Im April 2018 eröffneten Elisa Liepsch und Julian Warner (Künstlerhaus Mousonturm // HAUPTAKTION) gemeinsam ihr Performance- und Diskursprogramm im*possible bodies am Künstlerhaus Mousonturm. Bei diesem ?Festival für utopische Praxis? gingen sie Fragen nach eingeschriebenen, kuratorischen und theatralen, kolonialen Praxen nach; untersuchten Machtasymmetrien auf der Bühne und innerhalb der Institution des Mousonturms und setzten sich über die Frage nach dem ‚Wir‘ auseinander. Hierbei entwickelten sie Ideen und Praktiken, für eine Institution der Zukunft, die Teilhabe, Kollaboration, Ermächtigung, Ästhetik, Repräsentation und Kritik für alle ermöglicht. Ausgehend hiervon publizierten sie das in diesem Jahr erschienene Buch ?Allianzen. Kritische Praxis an weißen Institutionen? (transcript, 2018). Im Januar 2019 wird ihr Diskursprogramm in die zweite Runde gehen, bei dem theoretische Überlegungen und Recherchen in die Praxis überführt und am Beispiel des Mousonturms die Idee einer anderen Institution modellhaft umgesetzt werden sollen.

Danae Theodoridou – Dramaturgie als Arbeit an Handlungen

Von 2013–2016 leitete Danae Theodoridou zusammen mit Konstantina Georgelou
und Efrosini Protopapa ein künstlerisches Forschungsprojekt mit dem Titel
«Dramaturgy at Work», das in Theatern, Universitäten und anderen Räumen in
ganz Europa umgesetzt wurde. Mittels einer Reihe von Workshops und
Diskussionen wurden in diesem Projekt die Schlüsselprinzipien von
Dramaturgie in gegenwärtiger Praxis und ihre politischen Implikationen im
Kontext des neoliberalen Kapitalismus untersucht. Die Resultate dieser
Forschung wurden in dem Buch «The Practice of Dramaturgy: Working on Actions
in Performance» (Valiz, 2017) publiziert. Ausgehend von dieser Publikation
wird sich der Vortrag mit dramaturgischer Praxis auf der Grundlage einer
etymologischen Neudefinition des Begriffs beschäftigen, welche von den drei
Autorinnen vorgeschlagen wird: Dramaturgie, die sich von den griechischen
Begriffen «Drama» (Handlung) und «Ergon» (Arbeit) ableitet, konstituiert
einen Prozess des «Arbeitens an Handlungen» und berührt deshalb politische
Prozeduren in ihrem Kern.

Danae Theodoridou lebt und arbeitet als Performance-Künstlerin und
Theaterwissenschaftlerin in Brüssel. Sie wurde an der Universität Roehampton
in London mit einer Arbeit über Dramaturgie im zeitgenössischen Theater und
Tanz promoviert, lehrt an zahlreichen Universitäten, Theater- und
Tanzhochschulen in Europa und kuratiert Forschungsprojekte, die eng mit
künstlerischer Praxis verbunden sind. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen
Arbeit steht der Begriff des sozialen Imaginären und die Frage, wie Kunst
zum Entstehen von sozialen und politischen Alternativen beitragen kann.

Rebecca Schneider – Im Stillstand

Avital Ronell bereitet Heideggers Aufbereitung Hölderlins auf und alle stolpern immer wieder von Neuem über die Figur der ?braunen Frauen?, die ?gehn?, in Hölderlins Gedicht Andenken. Was heißt es, mitten im Schritt innezuhalten? Carrie Mae Weems macht in ihrer Serie Roaming Kunst als gehende braune Frau, steht dabei aber Bild für Bild stocksteif. Oder nicht? Der Vortrag greift die Frage von Schritt und Gang nicht nur im Nachleben der Dichtung auf, sondern auch in Theater, Tanz und Photographie, um Zur-Seite-Treten und Wandern (Roaming) in dürftiger Zeit zu untersuchen, außerhalb der gewohnten Wiederholung von Dramen des Innehaltens und der Wiedererkennung.

Rebecca Schneider ist Professorin am Department für Theatre Arts and Performance Studies der Brown-University, Providence. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Theatergeschichte und Theorien der Intermedialität. Zahlreiche Publikationen, u.a.: Theatre and History (2014), Performing Remains: Art and War in Times of Theatrical Reenactment (2011) und The Explicit Body in Performance(Routledge, 1997).

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.