Seminare

Am Rande des Sichtbaren: Theater, Philosophie, und Dramaturgien des Hörens

(Mittwoch, 14-16 Uhr)

Dieses Seminar beschäftigt sich mit den verschiedenen Formen theatraler Komposition und verbindet diese mit philosophischen Konzepten, insbesondere aus der antiken und vorsokratischen Tradition. Wie Philosophie, so ist auch Theater ein Wissen um die Welt, d.h. auch eine Art des Verhaltens und der Existenz. Diese Überlegungen auf der Konzeptionsebene werden mit der Praxis des zeitgenössischen Theaters in Verbindung gebracht. Insbesondere geht es um eine Neudefinition des Theaters als sowohl Ort des Sehens (theatron), einer Klanglandschaft (akousma) und als Ort des Sprechens (phoné). In der Analyse von Arbeiten von Romeo Castellucci /Societas Raffello Sanzio, Teatro delle Albe, Shiro Takatani, Robert Wilson, Jan Fabre und Heiner Goebbels werden wir diese Verbindungen tiefergehend untersuchen und als Beispiele einer Dramaturgie des Hörens diskutieren. Auf der zeitgenössischen Bühne entstehen Formen, Geräusche und Farben, die das Primat des Sehens in Frage stellen. Es stellt sich also die Frage, was man im Theater eigentlich sehen kann: die Offenbarung verschiedener Seinsformen könnte eine Antwort sein. Das akustische Bild ensteht nämlich als Textur einer Szene, durch die das visuelle, optische Bild überhaupt erst Gestalt annimmt. Beispiele wären hier sowohl elektronische Klanglandschaft als auch das Theater der Stimme von Carmelo Bene oder Ermanna Montanari u.a. In diesen Arbeiten wird Ton als grundlegendes Element gedacht, das die Szene strukturiert, indem es auf latente Weise die Aufmerksamkeit des Publikums fasst und die Modalitäten des Hörens neu setzt: Töne, wie Farben, repräsentieren die Temperatur einer Szene und verwandeln die Wahrnehmung des Publikums in eine Form des immersiven Erlebens. Über Atmosphäre im theatralen Sinn zu sprechen, heißt die akustischen und chromatischen Elemente zu erkennen, die die Szene mitbestimmen. Die Atmosphäre ist dabei etwas Diffuses, sowohl grundlegend als auch unsichtbar und zeit sich in Form von chromatischen Variationen, tonalen Impulsen, Licht und akustischen Figuren.

Wöchentlicher Sitzungsbeginn: 11. Dezember, obligatorische Masterclass: 13.- 15. Februar, 2020.

Formen der Präsenz: Tanz, Technologien und Immersion

(Mittwoch 16-18 Uhr)

Ausgehend von einer interdisziplinären Auseinandersetzung mit Körper, Wahrnehmung und Technologien im zeitgenössischen Theater (insbesondere unter Berücksichtigung der Neurophysiologie, Architektur und der immersiven Künste), wird es in diesem Seminar um die Definition einer Ästhetik der Präsenz von Körperlichkeit auf der Bühne gehen. Wir werden eine Übersicht über Kernpraktiken der choreographischen Komposition und der Bühnenregie erhalten und uns dabei mit Beispielen aus den Medienkünsten in Japan, Kanada, den USA und Europa auseinandersetzen, sei es Merce Cunnigham, William Forsythe, Wayne McGregor, Ginette Laurin, Isabelle Van Grimde, Sabura Teshigawara u.a. Das Seminar hat zwei Kernziele: 1. es analysiert den Einfluss der Technologie auf die Wahrnehmung des Performers in der Bewegungskomposition; 2. definiert es die Komposition der audiovisuellen Bühne selbst. Im ersten Schritt geht es um die neurophysiologischen Funktionen von Bewegung und Präsenz; hier werden wir uns besonders auf die Rolle der Imagination in der Komposition von Gesten in und auch jenseits technologischer Intervention fokussieren  – z.B. in motion capture und anderen Systemen des Werdens. Dabei wird Technologie nicht nur als szenisches Mittel verstanden sondern vielmehr als ein Vorgehen, um das sinnliche Wissen des Körpers hervorzuheben und neue Gesten entwickeln zu können. Im zweiten Schritt beschäftigen wir uns mit dem Auftauchen autonomer Formen von Objekttheater und Maschinen, die ein Teil der neuen Manifestationen von multimedialer Performance sind und in Abwesenheit des Schauspielerkörpers fungieren. Deren Präsenz ergibt sich ausschließlich durch Licht und Ton. Hier berücksichtigen wir außerdem die neue Komposition von Mittel, die der Szenerie eine immersive Qualität verleihen und dadurch eine außergewöhnliche Ästhetik entwickeln, die man provisorisch als Logik der Latenz bezeichnen könnte. Hier wird zudem die Funktion von Empathie als aktives Miteinbeziehen der Zuschauenden in das mediale Geschehen relevant. 

Wöchentlicher Sitzungsbeginn: 27. November; (obligatorischer Wochenendblock: 7.2., 12 -16 Uhr u. 8.2., 10-16 Uhr)

Neue Dramaturgien und innovative Werkzeuge der Dokumentation in den darstellenden Künsten

(Donnerstag, 10-12 Uhr)

Ziel dieses Seminars ist es, zwei Kernelemente der zeitgenössischen Performance zu untersuchen: die neuen Dramaturgien, die die Betrachtung von Licht und Sound ins Zentrum der Bühnenkomposition stellen; und die theoretischen und praktischen Anforderungen zu diskutieren, die die Erhaltung und Aufzeichnung dieser multimedialen Kunstwerke (Performances, Installationen, immersive digitale Landschaften usw.) ermöglichen. In unserer Forschung setzen wir uns dabei mit den angewandt technischen als auch den theoretischen Dimensionen auseinander und bewegen uns von der Analyse der kreativen Prozesse und Werke zur Entwicklung eines Prototyps der Dokumentation der darstellenden Künste (Filme, Videos, u.a. Formen der Dokumentation). Das Seminar beinhaltet dabei eine theoretische Ebene mit der Analyse individueller Arbeiten und auch eine praktische Workshopkomponente, in welcher die Studierenden die Chance haben, story boards für die Dokumentation auf Basis der gemeinsam diskutierten Inszenierungen zu entwickeln.

Diese Dokumentationsarbeit trägt zur Aufbewahrung und Verbreitung des wachsenden immateriellen Kulturgutes bei. Mit anderen Worten, unsere Arbeit im Seminar entwickelt mithilfe von Technologien innovative Werkzeuge für die Forschungsarbeit in den darstellenden Künsten und fasst dadurch den Rahmen unseres Fachs neu.

Wöchentlicher Sitzungsbeginn: 28. November; (obligatorischer Wochenendblock: 24.1., 12 -16 Uhr u. 25. Januar, 10-16 Uhr)